Dilla´s & Eva´s grenzwissenschaftl. & polit. Forum - Religions - Philosophien dieser Erde

Jüdische Gegner des Zionismus

Jüdische Gegner des Zionismus

Jüdische Gegner des Zionismus

Die Zionisten waren innerhalb des Judentums immer aktiver und lauter gewesen als die Nichtzionisten. Aufgrund ihres aggressiveren Auftretens könnte man meinen, Zionisten würden für alle oder zumindest aber für die überwiegende Mehrheit der Juden sprechen. Dieser Eindruck trügt! Die zionistischen Berufspolitiker haben es zweifellos verstanden, sich als die Vertreter des Judentums in Szene zu setzen. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit geben sie vor im Namen der Mehrheit ihres Volkes aufzutreten. Die Interessen der nichtzionistischen Juden werden geleugnet, ignoriert oder bagatellisiert. Tatsache ist, daß die Zionisten im organisierten Judentum so gut wie alle Machtpositionen besetzt haben. Sie infiltrierten nicht nur nahezu jeden jüdischen Verein, jede jüdische Organisation und insbesondere die Kultusgemeinden, sondern ließen sich in deren führenden Stellungen wählen und bekleiden dort längst die maßgeblichen Ämter. Um so mehr überrascht die Tatsache, daß auch nach sechzig Jahren nur etwa 30% der jüdischen Gesamtbevölkerung in der ›nationalen Heimstätte‹ Israel leben. Es ist folglich davon auszugehen, daß zumindest ein beträchtlicher Teil des Judentums sich nicht für die zionistische Idee begeistern lassen ließ und es einen gehörigen jüdischen Anteil gibt, der gegen den Zionismus eingestellt ist.

Der thoratreue Rebbe Hersh LOWENTHAL erklärt einleuchtend, warum die Zionisten in der internationalen Staatengemeinschaft ungleich einflußreicher sind als jüdische Nicht- und Antizionisten. Die Begründung läge darin, »daß Zionisten immer besser organisiert gewesen und besser finanziell unterstützt (better funded) worden sind als alle anderen Gruppen [des Judentums]. Während der großen Abnahme (decline) der europäischen Judenheit (Jewry) im letzten Jahrhundert, die ihre Zerstörung (destruction) einleitete, sowie unter der rasch anwachsenden amerikanischen Judenheit eroberte der Zionismus die Herzen der Massen durch Inaussichtstellung, ein Jude könne auch ohne jüdische Religion ein guter Jude sein, indem er einfach die nationalistischen Ziele des Zionismus unterstütze. Die Zionisten hatten die Jewish Agency und den Jewish National Fund hinter sich. Die berühmtesten und einflußreichsten jüdischen Persönlichkeiten standen auf ihrer Seite. Das orthodoxe Judentum der Vorkriegszeit hingegen fiel auseinander, nach dem Zweiten Weltkrieg war es damit beschäftigt, sich neu zu formieren. Mittlerweile haben wir uns, G-tt sei Dank, weitgehend erholt. Wir beginnen nun, uns besser zu organisieren und zu Gehör zu bringen. Die Mehrheit der orthodoxen Rabbiner, selbst jene, die gegen den Zionismus eingestellt waren, hatten früher kaum ihre Stimme erhoben, da sie erkannt hatten, daß viele Juden eine zionistische Geisteshaltung (Zionist sentiments) vertraten und jedwede entgegengesetzte Rhetorik sie abgestoßen hätte. statt dessen konzentrierten sich die orthodoxen Rabbiner auf traditionelle Aufgaben wie das Studium der Thora und den Chassidismus. Inzwischen ist der nichtzionistische Anteil unter Juden auf etwa 1,2 Millionen angewachsen, dieser verhält sich aber über das Thema Zionismus im wesentlichen immer noch sehr verhalten. Wir fühlen jedoch, daß es an der Zeit ist, diese Einstellung zu ändern. Mittels der aktiven Aufklärung der jüdischen Welt über die thoratreuen Ansichten zum Zionismus, hoffen wir, daß der religiöse Zionismus auseinanderbrechen und nur der authentische Thorastandpunkt überleben wird.«[i] In dieser kurzen Stellungnahme wird nicht nur die grundsätzlich unterschiedliche Position innerhalb des Judentums bzw. der Judenheit deutlich offenbar, sondern auch die vergebene Chance, den Zionismus vor dem Zweiten Weltkrieg ideologisch besiegt zu haben.

Wir sind bereits früher[ii] auf den Aspekt des jüdischen Antagonismus eingegangen. Wir hatten diesen als grundsätzliche Meinungsverschiedenheit zwischen Vertretern des deutschen Judentums und Repräsentanten des Weltjudentums verstanden. Um diese Kontroverse herauszuarbeiten, hatten wir uns auf den Konflikt der internationalen Greuelpropaganda gegen das Deutsche Reich konzentriert. Es war dabei deutlich geworden, wie sich sowohl deutsch-jüdische Zionisten als auch deutsch-jüdische Antizionisten gegen deutschfeindliche Äußerungen seitens jüdischer Zionisten aus den USA und Britannien öffentlich zur Wehr gesetzt haben. Wir erinnern uns beispielsweise daran, daß die ZIONISTISCHE VEREINIGUNG FÜR DEUTSCHLAND (ZVfD) am 26. März 1933 eine Presseerklärung herausgegeben hatte, in der es unter anderem hieß: »Wir haben uns bereits am 17. März in einer durch die Jüdische Telegraphen-Agentur an die gesamte jüdische Presse der Welt weitergegebenen Erklärung gegen jede deutschfeindliche Propaganda mit großer Entschiedenheit gewandt. Wir haben gegen alle der Wahrheit nicht entsprechenden Greuelmeldungen und gewissenlosen Sensationsnachrichten Einspruch erhoben und wiederholen heute unseren Protest in aller Öffentlichkeit«.[iii]

Die schwerwiegenden Differenzen zwischen deutsch-jüdischen Zionisten einerseits und internationalen Vertretern des Zionismus andererseits wurden vor allem zur Zeit des Dritten Reiches deutlich. Der berüchtigten Kriegserklärung des organisierten Weltjudentums an das Deutsche Reich vom März 1933, welche im Londoner Daily Express detailliert veröffentlicht worden war, konnte Rabbiner Wladimir (Zeew) JABOTINSKI, der spätere Gründer der zionistischen Terrororganisation IRGUN ZWAI LEUMI (Nationale Militärische Organisation), ganz im Gegensatz zu den Zionisten in Deutschland, nur beipflichten. Am 1. Dezember 1934, übrigens ein dreiviertel Jahr bevor die sogenannten Nürnberger Gesetze in Kraft traten, bekannte er in der jüdischen Zeitschrift Rumäniens Natscha Retsch: »Der Kampf gegen Deutschland wird von sämtlichen jüdischen Gemeinden, Tagungen, Kongressen, von den kaufmännischen Verbänden und von jedem einzelnen Juden geführt. Damit wird der Weltkampf gegen Deutschland ideologisch belebt und vorwärtsgetrieben. (...) Unsere jüdischen Interessen verlangen, daß Deutschland endgültig vernichtet wird. Es soll nie wieder Kolonien erhalten, und es muß in kriegstechnischer Hinsicht für immer schwächer als alle anderen Länder bleiben. Die Gefahr für uns Juden liegt im ganzen deutschen Volk, in Deutschland als ganzem. Deutschland wurde – bis auf die Zeit, wo es unter jüdischem Einfluß stand – stets von Elementen regiert, die für das Judentum gefährlich waren«.[iv]

In der nordamerikanischen Youngstown Jewish Times war am 16. April 1936 mit geradezu prophetischer Vorhersage zu lesen: »Nach dem nächsten Krieg wird es nicht mehr ein Deutschland geben. Auf ein von Paris gegebenes Signal werden Frankreich und Belgien sowie die Völker der Tschechoslowakei sich in Bewegung setzen, um den deutschen Koloß mit einem tödlichen Zangengriff zu nehmen. Sie werden Bayern und Preußen von einander trennen und das Leben in diesen Staaten zerschlagen«.[v] Der Herausgeber des einflußreichen jüdischen Wochenmagazins The American Hebrew erklärte am 30. April 1937: »Die zivilisierten Völker werden zu der notwendigen Einsicht kommen, daß Nazideutschland es verdient, aus der Völkerfamilie ausgerottet [to be cast out] zu werden«.[vi] Dies sah der jüdische Funktionär (Foreign Relief and Rehabilitation Operations) Herbert H. LEHMAN ähnlich. Die »nazistische Gefahr« müsse von der Erde für immer weggewischt werden. Hierzu müßten die Juden und die Vereinten Nationen jedes Opfer bringen, um die »Nazimonster« vollkommen zu vernichten und die »brutalen unbarmherzigen Armeen des Nazitums, die bar jeglichen Sinnes menschlicher Keuschheit« seien, auszuradieren. Für den damaligen Bürgermeister New Yorks F. H. LA GUARDIA, war »Nazismus und Sadismus« das gleiche und für Henry A. ATKINSON waren Hitler, Göring, Goebbels, Himmler, Mussolini und Hirohito die »Hauptfeinde der Menschheit«,[vii] eine Aussage, die im talmudischen Sinne recht pikant ist.

Am 29. August 1939, also noch vor Ausbruch des deutsch-polnischen Krieges und erst recht bevor sich dieser zu einem europäischen Krieg entwickeln sollte, erklärte Chaim WEIZMANN, Präsident der JEWISH AGENCY und damals der maßgebliche Zionist im politischen Spektrum, daß er in nachdrücklichster Form zu erklären wünsche, daß im bevorstehenden Weltkrieg (!), »wir« Juden an der Seite Großbritanniens stünden und für die Demokratie kämpfen würden«.[viii] Dieses Bekenntnis wurde wenige Tage später, am 6. September 1939 in der Times und am 8. September im Jewish Chronicle rezitiert.[ix] In dem »Kampf mit den Naziungeheuern«, so WEIZMANN, »stand für niemand mehr auf dem Spiel und keiner konnte fanatischer bestrebt sein der allgemeinen Sache zu dienen als die Juden«.[x]

Unterdessen stießen die zionistischen Ambitionen nicht nur in Deutschland, sondern auch international auf vehemente Kritik. Im November 1938 schrieb Mahatma GANDHI in der indischen Zeitschrift Harijan: »Der Ruf nach einer nationalen Heimstätte für die Juden leuchtet mir nicht sehr ein. Die Rechtfertigung dafür wird aus der Bibel und aus der Hartnäckigkeit, mit der die Juden von einer Rückkehr nach Palästina geträumt haben, abgeleitet. Warum sollten sie nicht, wie andere Völker dieser Erde auch, dort heimisch werden, wo sie geboren sind und wo sie ihren Lebensunterhalt verdienen? Palästina gehört den Arabern im selben Sinn, wie England den Engländern gehört oder Frankreich den Franzosen. Es ist falsch und unmenschlich, die Juden den Arabern aufzuzwingen. Was heute in Palästina geschieht, läßt sich mit keinem moralischen Verhaltenskodex rechtfertigen«.[xi]
Diese Kritik wurde auch von Juden geteilt. Der Ende der vierziger Jahre einflußreiche Jerusalemer Oberrabbiner Yosef Tzvi DUSHINSKY sandte 1947 einen Brief an die Vereinten Nationen, in welchem er festhielt, Autorität über 60.000 Juden auszuüben, die geschlossen verlangten, nicht in den kurz vor der Gründung stehenden Staat Israel integriert zu werden. Daneben gibt es auch heute noch in Israel streng religiöse Gemeinden, welche den zionistischen Staat nicht anerkennen, keine Steuern zahlen, keine öffentlichen Schulen etc. besuchen, keinen Militärdienst leisten und sich nicht einmal der staatlichen Gerichtsbarkeit unterstellen.[xii]
Als 1948 der Staat Israel ausgerufen wurde, behauptete David BEN-GURION, daß der Judenstaat die Unterstützung aller Juden finden würde. Dieser geradezu enthusiastische Optimismus sollte sich unter Zionisten einige Jahrzehnte halten. Noch in den siebziger Jahren hieß es in einem israelischen Grundsatzwerk zur Geschichte Israels, daß dieser Staat »das Herz und die Seele des gesamten jüdischen Volkes«[xiii] geworden sei. Gemessen an der Realität überraschen solche Behauptungen freilich. Wenn in Betracht gezogen wird, daß kaum ein Drittel der jüdischen Weltbevölkerung den Weg nach Israel gefunden hat, dürfte deutlich werden, daß solche Äußerungen eher propagandistische Motivation als zeitgeschichtliche Tatsachen widerspiegeln. Dieser Eindruck wird dadurch bestärkt, daß sich vor allem in den letzten Jahren vermehrt jüdische antizionistische Organisationen sowie eine gehörige Anzahl jüdischer Akademiker, Intellektueller, Journalisten, Politiker und Rabbiner gegen die Existenz des israelischen Staates ausgesprochen haben. Da ihnen jedoch bei weitem nicht die medialen Möglichkeiten zur Verfügung stehen wie den Zionisten, ist die massive jüdische Kritik am zionistischen Staat bislang noch nicht ins Bewußtsein ›der Weltöffentlichkeit‹ vorgedrungen.

Dabei ist die Ablehnung des Zionismus vieler Juden keineswegs nur auf Organisationen beschränkt, sondern spiegelt sich ganz besonders wider im Engagement unzähliger jüdischer Ärzte, Journalisten und Philosophen. In seiner Buchbesprechung im Journal Middle East Policy vom 8. Juni 2005 über die von Adam SHATZ herausgegebene Anthologie Prophets Outcast: A Century of Dissident Jewish Writing About Zionism and Israel (2005), in der eine Vielzahl lesenswerter Beiträge jüdischer Kritiker über Zionismus und Israel enthalten sind, erklärt der Rezensent Ed CORRIGAN, daß der Titel Prophets Outcast (Verachtete Propheten) vom Historiker Isaak DEUTSCHER ausgeliehen wurde, der selbst ein bedeutender jüdischer Dissident war. CORRIGAN betont den schrecklichen Preis, den die außergewöhnlich vorausschauenden Männer und Frauen dafür haben zahlen müssen, daß sie sich gegen den Zionismus und die (schlechte) israelische Behandlung gegenüber den Palästinensern aussprachen. Diese jüdischen Intellektuellen sind schwer angegriffen worden, weil sie (angeblich) Israels Feinden ›Munition‹ gegeben hätten. Sie wurden ›sich-selbsthassende Juden‹ bezeichnet. Der Herausgeber dieses lesenwerten Buches führt in seinem Vorwort an, »diese jüdischen Dissidenten seien Erben einer prophetisch-jüdischen Tradition moralischer Kritik und säkularer kosmopolitischer Ideale der Aufklärung, die sich auf menschliche Gleichheit und Solidarität (égalité und fraternité) gründen. Indem diese Dissidenten gegen die Ungerechtigkeiten sind, die auch in ihrem Namen begangen werden, haben sie gezeigt, daß es noch einen anderen Weg gibt, das Gedächtnis der Juden zu ehren, die bei den Pogromen und in den KZ-Lagern Europas umgekommen sind, und daß Betroffenheit über das Schicksal der Juden nicht auf Kosten des palästinensischen Volkes gehen muß.«[xiv] Zu den erstklassigen Artikeln zählt allen voran der Beitrag von Yeshayahu LEIBOWITZ »Die Besatzung und der Terror«, der ohne Zweifel zu den großartigsten und gelehrtesten Köpfen zählt, die das Judentum je hervorgebracht hat. LEIBOWITZ weist auf den korrumpierenden Einfluß der Besatzung auf den jüdischen Staat hin und schreibt: »Die israelische Politik in den besetzten Gebieten ist eine der Selbstzerstörung des jüdischen Staates und eine der Beziehung zu den Arabern, die auf ständigem Terror beruht.« Ein zwar wenig bekannter, aber bedeutsamer Beitrag zur kritischen Debatte über Zionismus ist Yehudi MENUHINs Essay »Gnade und Wahrheit«. MENUHIN war weltweit einer der wunderbarsten Geiger und Dirigenten im 20 Jahrhundert. 1991 erhielt er für seinen Beitrag in der Musik den renommiertesten Preis Israels, den Wolf-Preis. In seiner Dankesrede vor der Knesset verurteilte er Israels Politik gegenüber den Palästinensern. Er erklärte: »Diese ständige Abwürgung eines abhängigen Volkes sollte das allerletzte Mittel von denen sein, die selbst nur zu gut die Schrecken und das unvergeßliche Leiden eines solchen Lebens kennen«. Ella SHOHAT, Dozentin für kulturelle Studien und Frauenstudien an der City Universität von New York, konzentriert sich in ihrer Kritik am Zionismus wiederum auf die rassistische Diskriminierung, unter der sephardische Juden in Israel leiden. In ihrem Aufsatz aus dem Jahre 1988 mit dem bezeichnenden Namen »Sephardim in Israel: Zionismus aus der Sicht seiner jüdischen Opfer« zählt sie unter anderen eine beunruhigende Liste rassistischer Charakterisierungen sephardischer Juden auf, die von führenden israelischen Politikern gemacht wurden, einschließlich David BEN-GURION, Golda MEIR und Abba EBAN. Der sephardische kulturelle Unterschied sei »besonders für einen säkularen Zionismus beunruhigend, der sich darauf gründete, ein einziges jüdisches Volk zu vertreten, das nicht nur einen gemeinsamen religiösen Hintergrund, sondern auch eine gemeinsame Nationalität hatte. Die starken kulturellen und historischen Bindungen, die die Sephardim mit der arabisch-muslimischen Welt teilte und die in vieler Hinsicht stärker sind als die zu den Aschkenasim (europäische Juden), gefährdete die Vorstellung einer homogenen Nation, ähnlich der, auf die sich die nationalen Bewegungen (Europas) gründeten.« SHOHAT nennt schließlich auch die zionistischen Versuche, die arabischen Juden nach Zion zu locken. Diese Versuche schlossen die ›Operation fliegender Teppich‹ ein, um die Juden aus dem Jemen nach Israel zu bringen und ›Ali Baba‹, um sie aus dem Irak einzusammeln. Da die Juden des Irak wenig Neigung zeigten, nach Israel auszuwandern, »und die Karotte nicht genügte, war der Stock nötig«. Die mutige Autorin dokumentiert Einzelheiten über die zionistische Bombenkampagne, die von zionistischen Agenten gegen irakische Juden ausgeführt wurde, um die irakisch-jüdische Gemeinde zu terrorisieren, damit sie nach Israel flieht.

Unter allen jüdischen Kritikern gehört Avraham BURG, früherer Vorsitzender der ZIONISTISCHEN BEWEGUNG und prominenter israelischer Politiker der Labor-Partei, der von 1999 bis 2003 Vorsitzender der Knesset gewesen war, zur Crème de la Crème. Im August 2003 veröffentlichte er einen genialen Artikel mit dem bezeichnenden Titel »Eine verfehlte israelische Gesellschaft bricht zusammen«. Hier nimmt BURG kein Blatt vor den Mund: »Die zionistische Revolution hat immer auf zwei Pfeilern geruht: einem gerechten/geraden Weg und einer ethischen Führung. Keiner von beiden funktioniert mehr. Die heutige israelische Nation stützt sich auf ein Gebilde von Korruption und auf Fundamente der Unterdrückung und Ungerechtigkeit. Als solche liegt das Ende schon an unserer Türschwelle. Es ist sehr gut möglich, daß unsere Generation die letzte zionistische sein wird. Es mag hier einen jüdischen Staat geben, aber er wird anders sein, ungewohnt und häßlich. Noch ist Zeit, den Kurs zu ändern, aber nicht mehr lange. Was nötig ist, wäre eine neue Vision einer gerechten Gesellschaft und der politische Wille, sie zu verwirklichen. Dies ist auch nicht nur eine interne israelische Angelegenheit. Die Diasporajuden, für die Israel eine tragende Säule ihrer Identität ist, müssen aufmerksam sein und aussprechen, was wirklich geschieht. Wenn die Säule stürzt, werden die oberen Stockwerke in sich zusammen fallen.«[xv]

Gerade die brutale und menschenverachtende israelische Besatzungspolitik hat vielen Israelis die Augen geöffnet. So überrascht es nicht, daß gerade die fortgeführte Invasion und Bombardierung des Gazastreifens nicht nur bei israelischen Kolumnisten, der UNO und sogar Teilen der israelischen Armee auf Unmut und Kritik stößt. In Israel selbst und in den USA mobilisieren zunehmend Juden gegen die israelischen Verletzungen des Kriegs- und Völkerrechts jede Menge Menschenrechtsorganisationen und Friedenorganisationen, darunter JEWISH VOICE FOR PEACE, JEWS FOR A FREE PALESTINE, EUROPEAN JEWS FOR A JUST PEACE , BRIT TZEDEK – JÜDISCHE ALLIANZ FÜR GERECHTIGKEIT UND FRIEDEN und BREAK THE SILENCE.
Es dürfte für die deutsche Leserschaft kaum bekannt und deshalb sehr interessant sein, daß selbst die jüdische antizionistische Linke in ihrer Position uneins ist. Dies gilt allen voran für Stellungnahmen zur Entstehungsgeschichte des Staates Israels und den Umständen der damit untrennbar verbundenen jüdischen Einwanderung. Während beispielsweise Uri AVNERY ›ewig gestrig‹ behauptet, daß die gesamte zionistische Geschichte hindurch die beiden Hauptmotive für die übergroße Mehrheit der Juden, die nach Palästina/Israel eingewandert sind, »im Antisemitismus und/oder in der wirtschaftlichen Depression«[xvi] gelegen und diese keineswegs aus zionistischen Beweggründen die Reise nach Israel angetreten hätten, vertritt Gabriel ASH einen differenzierteren, und unseren Forschungsergebnissen zufolge, auch umfassenderen Standpunkt: »Nach dem Zweiten Weltkrieg mußten die Zionisten Drohungen und Hinterlist (deceit) anwenden, um jüdische europäische Flüchtlinge nach Israel zu lotsen, anstatt daß sie nach Europa zurückkehrten. Die Masse der Juden aus dem Mittleren Osten wurden sowohl mit Hilfe von Lügen (z.B. der Messias sei gekommen) dazu überredet nach Israel auszuwandern als auch durch die Feindseligkeiten im Krieg 1948, der oftmals unter ›falscher Flagge‹ geführt worden war. Die Mehrheit der Juden, und das ist recht normal, trifft ihre Lebensentscheidungen nicht aus ideologischen Gründen, sondern aus praktischen Überlegungen.« Dies sei beispielsweise auch der Grund, daß mit dem wirtschaftlichen Aufschwung Rußlands immer mehr Juden nach Rußland zurückkehrten. Israel selbst sei niemals ein reizvolles (appealing) Ziel für Juden gewesen. Es wird immer dann reizvoll, »wenn Juden irgendwo auf der Welt den totalen Ruin erleben. Und das ist der Grund, warum Zionisten so oft ihre Befriedigung darüber geäußert haben, sobald eine Bedrohung das Wohl der jüdischen Gemeinschaften am Horizont aufzieht (materializes).«[xvii]

1902, also bereits in der Anfangsphase des modernen politischen Zionismus, wurde die Organisation MIZRACHI gegründet, eine Gruppe religiöser Zionisten, die ihren Glauben mit den politischen Zielen des Zionismus zu kombinieren versuchten. Die Anhänger dieser religiöse zionistischen Organisation definieren ihre Ideologie nach dem Motto: »Am Yisrael B'Eretz Israel al pi Torat Israel« – auf deutsch etwa: Das jüdische Volk im Lande Israel, das nach den Gesetzen der Tora Israels lebt.[xviii] Diese Auffassung habe nach der Überzeugung religiöser Antizionisten zufolge, jedoch zu einem ständigen Konflikt zwischen den Geboten des göttlichen Gesetzes und den Bedürfnissen des jüdischen Nationalismus geführt. Der antizionistische Rabbi G. J. NEUBERGER, meint, daß in Wahrheit diese religiösen Zionisten nur als Feigenblatt für den zionistischen Staat gedient hätten, um seine nationalistischen Ansprüche mit religiöser Autorität zu verbrämen. Diesen Dienst habe sich die national-religiöse Parteien durch finanzielle Zuwendungen und in der Form von Kabinetts- und Regierungssitzen gut entlohnen lassen. Beispielsweise stellte die ultra-orthodoxe Shas-Partei in der Regierung unter SHARON den Innenminister und war zu diesem Zeitpunkt die drittstärkste politische Kraft in Israel. NEUBERGER lehnt die Vermengung von Zionismus und Religion strikt ab: »Der Chauvinismus dieser religiösen Zionisten übertrifft sogar häufig denjenigen anderer Zionisten, und er war immer in religiöse Begriffe gekleidet – ein erstklassiges Beispiel für den Mißbrauch von Religion«.[xix]


Religiös motivierte jüdische Ablehnung des Zionismus

Tatsächlich hätte der Verlauf der Geschichte des Zionismus anders, das heißt ungleich weniger erfolgreich verlaufen können, wenn sein vehementester und einflußreichster Gegner nicht zum richtigen Zeitpunkt von Zionisten ermordet worden wäre. Jacob Israel DE HAAN, ein bedeutender niederländisch-jüdischer Dichter und Journalist, war nach dem Ersten Weltkrieg Sprecher der antizionistischen Organisation AGUDAT ISRAEL gewesen. Zunächst von der zionistischen Idee begeistert, war er nach Palästina ausgewandert und hatte sich in Jerusalem niedergelassen, wo er rasch in die höchsten gesellschaftlichen Kreise aufstieg. Seine zunächst positiven Berichte und Artikel über den Zionismus veröffentlichte er in den Niederlanden und in England. Seine Einstellung änderte sich Anfang der zwanziger Jahre jedoch von grundauf, als sich die Zionisten verstärkt der Idee des Wladimir JABOTINSKI und damit der Anwendung von Gewalt zur Erreichung politischer Ziele (Haganah) zuwendeten. DE HAAN wurde so der vorrangigste Repräsentant des religiösen Antizionismus. Als bestinformnierter Kenner des zionistischen Netzwerks traf seine Kritik den Nerv der Zionisten. Die einheimischen sephardischen Juden, so hatte er erkannt, lebten in Harmonie mit der einheimischen arabischen Bevölkerung. Sie waren der einheimischen Sprachen wie Arabisch, Farsi und Pashto mächtig, kannten die semitische Kultur und respektierten die Araber. Diese für Jahrhunderte währende Harmonie wurde erst durch die verstärkte Zuwanderung ortsfremder, landes- und kulturunkundiger aschkenasischer Juden (vor allem aus Rußland) empfindlich gestört, so daß Palästina nach dem Ersten Weltkrieg unmittelbar vor einem Bürgerkrieg stand. DE HAAN weigerte sich sowohl Palästina zu verlassen als auch seine antizionistischen Aktivitäten einzustellen. Ganz im Gegenteil, er verstärkte seinen Aktivismus und kündigte an, eine massive antizionistische Bewegung ins Leben zu rufen und die Briten – als Mandatsträger für Palästina – davon zu überzeugen, Palästina den Zionisten niemals als ›jüdische Heimstätte‹ zu überlassen. Die Zionisten erkannten früh, welche grundsätzliche Gefahr für sie von DE HAAN ausging. Er konnte ihre Strategie, alleinige Repräsentanten der Juden in Palästina zu sein, widerlegen und die zionistischen Verhandlungen mit Britannien dementsprechend lahmlegen. Es dauerte nicht lange, bis DE HAAN die ersten Todesdrohungen erhielt.
Tatsächlich war DE HAAN im Begriff, seine hervorragenden Kontakte zu den maßgeblichen politischen Kreisen in Europa zu aktivieren, um eine weitere Ansiedlung aschkenasischer Juden inmitten der traditionellen und gewachsenen Gemeinschaften Palästinas zu unterbinden. Des weiteren stellte er klar, daß die religiösen Juden keine Bedrohung für die Araber darstellten und deshalb auch nicht Ursprung der eskalierenden Gewalt in Palästina seien. Die arabische Gegengewalt richte sich seinen Beobachtungen zufolge ausschließlich gegen die von den Zionisten angezettelte Gewalt. DE HAANs Absicht war es, die Briten während seiner bevorstehenden Reise nach London davon zu überzeugen, die religiösen Juden in Palästina als diejenige Autorität anzuerkennen, mit der künftige Verhandlungen zu führen seien. Wäre dies erfolgt, hätte dies ohne Frage das frühzeitige Ende des Zionismus bedeutet. 1924 wurde DE HAAN von einem Agenten der Haganah auf offener Straße in London erschossen. Der Befehl, den ›Verräter‹ zu liquidieren, kam, wie der Professor für Geschichte an der Universität Montreal Yakov M. RABKIN erklärt, aus den höchsten Zirkeln der zionistischen Bewegung. Ähnlich wie die zu jener Zeit noch um die Macht streitenden Bolschewiken, betrachteten die Zionisten jede oppositionelle Haltung gegenüber ihren politischen Zielen als illegitim und die Anwendung von Gewalt als legitim.

Mit dem Tod DE HAANs war der vornehmste Fürsprecher des religiösen Antizionismus beseitigt worden. Dem jüdisch-orthodoxen Antizionismus war eine klaffende Wunde geschlagen worden, die über Jahrzehnte – die entscheidende Phase in der Entwicklung zum Staate Israel! – nicht geschlossen werden konnte.[xx] Erst in den fünfziger Jahren als der Staat Israel bereits Realität geworden war, trat mit Rebbe Joel TEITELBAUM ein erwähnenswerter Fürsprecher des religiösen Antizionismus in die Fußstapfen von Jacob Israel DE HAAN. Er führte die Satmar-Organisation NETUREI KARTA zur bis heute größten Bewegung des religiösen Antizionismus.
Zu den etwa zwei Dutzend zählenden jüdisch-orthodoxen antizionistischen Organisationen gehören verschiedene Satmar (chassidische) Gruppen, deren Stammvater der erst im April 2006 verstorbene chassidische Rebbe Joel TEITELBAUM war. Zu diesen Gruppen, die etwa über 120.000 Mitglieder verfügen,[xxi] zählen BENE YOEL, BRESLOV, BRISK, HAZON ISH, KASCHAU, KRASNA, KRETCHENIFF, MALOCHIM, MUNKACS, NITRA, PUPA, SKULLENE, SLONIM (WEINBERG), TOLDOTH AHARON, TOLDOTH AVROHOM YITZCHOK, TOSH und WIZNITZ. Wir wollen uns im folgenden nun detailliert dem religiösen Antizionismus zuwenden und seine beiden Hauptvertreter näher betrachten.

Es ist unbestritten, daß sich sowohl viele religiöse als auch eher politisch eingestellte Juden als ›das auserwählte Volk Gottes‹ betrachten. Diese Selbsteinschätzung hat Juden im allgemeinen bis zum heutigen Tag oftmals den Vorwurf eingebracht, sie würden sich als eine Art besserer Mensch oder gar als die besten/einzigen Menschen überhaupt betrachten. Thoratreue Juden wollen diese Auserwähltheit rein geistig-geistlich verstanden wissen. Ihrer Überzeugung nach ist das jüdische Volk tatsächlich von JAHWE auserwählt worden, allerdings nicht, um über andere Menschen zu herrschen, sondern um ihnen ein moralisches Vorbild zu sein. Rassismus, Sklavenmentalität oder Herrenmenschentum hätten in dieser Mission keinen Platz. Eine der beiden größten jüdischen Verbände gegen den Zionismus ist die in den USA ansässige Organisation TRUE TORAH JEWS AGAINST ZIONISM, die nicht politisch, sondern rein religiös motiviert ist. Der Kampf der ›Wahren Thora-Juden gegen den Zionismus‹ basiert auf zwei Grundüberzeugungen:

Zionismus als politisches und militärisches Mittel eingesetzt, das jüdische Exilleben zu beenden, verneint die wesentliche Bedeutung unserer Diaspora-Existenz. Wir befinden uns aufgrund göttlicher Fügung (Divine Decree) in der Diaspora und können sie lediglich aufgrund göttlicher Erlösung (Divine Redemption) verlassen. Alle menschlichen Versuche, eine metaphysische Wirklichkeit zu verändern, sind dazu verdammt, zu versagen und in einem Blutbad zu enden. Die Geschichte hat diese Lehre deutlich bestätigt.

Der Zionismus hat nicht nur unseren fundamentalen Glauben an die himmlische Erlösung verneint, er hat obendrein ein Pseudo-Judentum geschaffen, das glaubt, die Essenz unserer Identität in einem weltlichen Nationalismus zu finden. Dementsprechend waren Zionismus und der Staat Israel stets bestrebt, mittels Überredung und Nötigung das auf Gottes Gebot und die Thora basierende Selbstverständnis unseres Volkes durch einen ausgeprägten Materialismus (armed materialism) zu ersetzen.

Hieraus schlußfolgernd sind die TRUE TORAH JEWS AGAINST ZIONISM der Überzeugung, daß der Zionismus und die israelische Realpolitik die Juden weltweit gefährden und großer Gefahr aussetzen. Ihren Kampf gegen den Zionismus führen die thoratreuen Juden nicht militant, sondern, ganz im Gegenteil, pazifistisch und ausschließlich mit argumentativen und ideellen Mitteln. Hierzu zählt die Aufklärung über das Wesen des Zionismus anhand religiöser Schriften und Aussagen thoragläubiger Rabbiner ebenso wie friedliche Demonstrationen und öffentliche Versuche, die Medien, Politiker, die gesamte Öffentlichkeit dazu zu bewegen, in Israel nicht den ›jüdischen Staat‹ als vielmehr den ›zionistischen Staat‹ zu erkennen.[xxii] In ihrer Argumentation heißt es denn auch, daß Zionisten nicht Juden repräsentieren, da ihrer Überzeugung zufolge Jude nur derjenige sein könne, der treu zu den Gesetzen der jüdischen Religion stehe und sich allen voran zu den Lehren der Thora bekenne. Das jüdische Volk sei entstanden, bevor es überhaupt ›jüdisches Land‹ gegeben habe. Als Volk ohne eigenes Land hätten die Juden, der thoragläubigen Interpretation folgend, die Diaspora einzig und allein aufgrund ihres Festhaltens an der Thora überlebt.

Das ›heilige Land‹ sei den Juden zu biblischen Zeiten unter der Prämisse gegeben worden, immer und ewig nach den Geboten der Thora zu leben. Falls sie jemals von dieser Bedingung abließen, würde die Souveränität über das Land von ihnen genommen und sie selbst in alle Nationen verstreut werden. Es sei ihnen verboten, selbst Versuche zu unternehmen, die Souveränität zurückzuerlangen. Vielmehr hätten sie sich unter den Schutz derjenigen Nationen zu stellen, die sie aufnähmen. Über Jahrhunderte hinweg hätten Juden in arabischen bzw. islamischen Ländern gelebt, ohne daß es zu Konflikten oder gar kriegerischen Handlungen gekommen wäre. In dieser Zeit hätten Juden niemals nationalistische Ambitionen gehabt oder auf einen eigenen Staat spekuliert. Das jüdische Volk, loyal gegenüber seinen Schutzherren, habe an den Lehren der Thora festgehalten, seine Führer seien Gelehrte der Thora gewesen. In dieser Lage hätte sich das jüdische Volk rund 2000 Jahre befunden. Vor etwa 200 Jahren habe allerdings ein Abbröckelungsprozeß begonnen, der 100 Jahre später in den Ideen des Zionismus, der von assimilierten Juden, welche die Gebote der Thora ablehnen würden, ins Leben gerufen worden sei, münden sollte.

Unmittelbar mit der Gründung des Zionismus war auch die jüdische Opposition gegen den Zionismus geboren. Den Zionisten sei es jedoch gelungen, so heben die thoragläubigen Juden hervor, die britische Regierung für ihre Zwecke einzunehmen. Damit hätten die Zionisten einen Weg zur Macht gefunden, der den thoratreuen Juden schon aus religiösen Gründen versperrt bleiben mußte. Mit der Unterzeichnung der Balfour-Deklaration habe die massive Verschlechterung zwischen Juden und Arabern begonnen, da die arabischen Völker sich umgehend von den Zionisten bedroht fühlten, bedroht fühlen mußten, da diese ihr Land übernehmen wollten. Im Gegensatz zu diesem unausweichlichen Konfrontationskurs, den die Zionisten eingeschlagen hätten, versuchten die thoratreuen Juden die Araber davon zu überzeugen, daß sie keinerlei nationalistische oder expansionistische Ambitionen auf Land hätten. Der Führer der gottesfürchtigen Juden jener Zeit, Rebbe Yosef Chaim SONNENFELD, war besonders aktiv in diesen Bemühungen, mit dem Erfolg, daß den thoratreuen Juden in den arabischen Staaten das Verbleibrecht ausgesprochen wurde, unter der Voraussetzung, daß sie nie politische Rechte für sich beanspruchten. Seitdem gehören die thoratreuen Juden zu den entschiedendsten jüdischen Gegnern des Zionismus, dessen »barbarische und gewalttätige Handlungen vollkommen unethisch für den Kern des jüdischen Volkes« seien.

Anti-zionistische orthodoxe Juden, die in Israel leben, weigern sich, staatliche Fördergelder oder sonstige Unterstützungen für ihr Erziehungswesen und ihre Synagogen anzunehmen. Niemals nehmen sie an politischen Wahlen teil, Sie weigern sich sogar hebräisch zu sprechen, da das heutige Hebräisch nichts mit der antiken Sprache zu tun habe, sondern von den Zionisten geformt worden sei. Müßig zu erwähnen, daß die thoratreuen Juden konsequenterweise weder das zionistische Regime noch den Staat Israel jemals anerkannt haben, ja ihrer Auffassung nach selbst die Bezeichnung ›Israel‹ einem Betrug gleichkommt. Die Zionisten hätten kein Recht auf das ›heilige Land‹ und ebensowenig ein Recht, für die Juden in ihrer Gesamtheit zu sprechen. Daraus erfolge, daß auch sämtliche zionistische Erklärungen, Verordnungen, Äußerungen und Taten in keiner Weise das jüdische Volk repräsentierten.[xxiii] Obgleich selbst nicht politisch, haben sich die thoragläubigen Juden einen scharfen Blick für das Politische bewahrt. Thoratreue Juden sehen glasklar, daß das Lebenselixier des zionistischen Staates die Einwanderung nach Israel ist. Um die diese Einwanderung anzukurbeln würde der Zionismus die Judäophobie fördern, die deshalb essentiell für den Fortbestand und die Rechtfertigung für den zionistischen Staat sei.[xxiv]

Die einflußreichste, jedenfalls die bekannteste antizionistische Organisation der streng gläubigen Juden, dürfte die weltweit agierende Bewegung NETUREI KARTA sein. Worin liegt der Unterschied zu den TRUE TORAH JEWS AGAINST ZIONISM? Es war einmal mehr Hersh LOWENTHAL, der so freundlich war, dem Verfasser diesbezüglich mehrere Fragen zu beantworten. Der Unterschied dieser beiden wesentlichen orthodox-jüdischen antizionistischen Organisationen erklärt der hilfsbereite Rebbe wie folgt: Die Weltanschauung zwischen seiner Organisation und NETUREI KARTA sei die gleiche, der Unterschied läge lediglich in den gewählten Methoden: »Unser Hauptziel ist, das jüdische Volk über den Zionismus und seiner radikalen Abkehr vom jüdischen Glaubenssystem zu erziehen. Unsere Internetseite ist voll mit Zitaten von Rabbinern und Erklärungen zu den wöchentlichen Torah-Lesungen. Wir sind im Begriff ein hebräisches Buch zusammenzustellen, das hierüber alle Quellen der talmudischen und rabbinischen Weisen beinhaltet. Unser Hauptziel ist es, Juden zu erreichen. Im Gegensatz hierzu füllt Neturei Karta ihre Internetseite mit Bildern von ihren Demonstrationen (rallies) und vom Händeschütteln mit arabischen Führern. Ihr Hauptziel ist es, die arabische Welt zu erreichen. Auch wir wollen die nichtjüdische Welt erreichen, um die falschen Eindrücke, die Nichtjuden von Juden haben, zu beseitigen, aber wir stimmen nicht mit dem Weg überein, den Neturei Karta diesbezüglich eingeschlagen hat. Ihr Weg ist es, auf Veranstaltungen mit Gruppen aus vollkommen anderen Richtungen zusammenzukommen, deren einzige Übereinstimmung in dem Wunsch liegt, den [israelischen] Staat aufzulösen. Wir hingegen sind der Auffassung, daß wenn man mit solchen Gruppen zusammen gesehen wird, der Eindruck entsteht, wir würden mit allem, was sie sagen, zum Beispiel, daß es die Israelis mögen, wahllos [indiscriminately] im Libanon zu bomben und unschuldige Kinder zu töten, übereinstimmen. Wir sind gegen den Staat Israel aus streng religiösen Gründen, und nicht aufgrund der Art und Weise wie die Israelis die Araber behandeln. Selbst wenn die Israelis in ihrem Tun recht hätten und moralisch handelten, würde uns das nicht berühren. Selbst wenn alle arabischen Gruppierungen urplötzlich mit Israel in Frieden lebten, würden wir dennoch gegen den Staat Israel eingestellt sein.«[xxv]

NETUREI KARTA stammt aus dem Aramäischen. Er bezieht sich auf Jerusalem und bedeutet im Deutschen ›Wächter der Stadt‹. Die Organisation, die offen und vehement dem Zionismus entgegentritt, hat auf der ganzen Welt Zweigstellen. Ihr Zentrum befindet sich in Jerusalem, wo allein Zehntausende Anhänger leben. Trotzdem ist NETUREI KARTA in der Öffentlichkeit relativ unbekannt, was sich direkt auf den zionistischen Einfluß der maßgeblichen Medien in den USA und in der gesamten Welt zurückführen läßt, den thoratreue Juden unumwunden beim Namen nennen: »Die Zionisten kontrollieren die amerikanischen Medien in einem Ausmaß, daß nur ihre Version verbreitet wird«. Zionisten erweckten den Anschein, daß alle Juden und Rabbiner Zionisten seien und terrorisierten jeden, der sich gegen sie ausspricht.[xxvi]

Die streng orthodoxen Anhänger der NETUREI KARTA unterscheiden sich wie alle Thoragläubigen von ultraorthodoxen zionistischen Juden darin, daß sie Hebräisch als Sprache ablehnen und den religiösen jüdischen Schriften einen jeweils anderen Stellenwert zuordnen. Orthodoxe zionistische Juden betrachten den Tanach, also die hebräische Bibel, bestehend aus Thora (›Weisung‹), Nevi’im (›Propheten‹) und Ketuvim (›Schriften‹) sowie das mit dem jüdischen Volk in Israel verwurzelte Kulturerbe als die eigentliche Quelle maßgebende Autorität. Sie bedienen sich als Alltagssprache des Hebräischen. Im Gegensatz hierzu fußt die Weltanschauung der nichtzionistischen orthodoxen Juden auf der Thora und diversen rabbinischen Kommentaren. Die Anhänger von NETUREI KARTA und anderen Satmar Gruppen sprechen in der alltäglichen Konversation kein hebräisch, da sie diese Sprache als heilig erachten und durch einen Alltagsgebrauch nicht abwerten wollen. Sie sprechen sowohl teilweise jiddisch als auch teilweise das talmudische Aramäisch.[xxvii] Die Aktivisten von NETUREI KARTA verurteilen den Zionismus, weil er, so argumentieren sie, in seiner Ausrichtung atheistisch sei und die Juden zu einer chauvinistischen Haltung gegenüber den Nichtjuden verleite, woraus unteren anderen Folgen unsägliches Leid für die Palästinenser erwachsen sei. NETUREI KARTA betrachtet sich als die wahre Hüterin des traditionellen religiösen Judentums.

In einem theologischen Diskurs während der Internationalen Konferenz über authentische Geschichtsforschung und freie Meinungsäußerung, die Mitte Juni 2002 in Washington stattfand, legte der Vorsitzende der Organisation, der New Yorker Rabbiner Yisroel Dovid WEISS, den grundlegenden antizionistischen Standpunkt in aller Form dar. Die grundlegenden Ansichten »der echten, traditionellen Juden«, also diejenigen, die sich an die Riten und Gebote der Thora halten, decken sich nicht mit der Sicht jener Juden, »die stark vom rechten Pfad abgewichen sind«. Rebbe WEISS hat ausführliche Erklärungen abgegeben, um gerade nichtjüdischen Lesern das Wesen des orthodoxen Judentums und die elementare Bedeutung des innerjüdischen Streits begreiflich zu machen. Wir wollen uns deshalb an seine Erklärungen halten. Grundsatz des orthodoxen Judentums sei »der Glaube, daß der Schöpfer dem jüdischen Volk am Berg Sinai die Thora enthüllt« habe. Die Thora sei in zwei Teile gegliedert:

Ø Das geschriebene Gesetz, das man normalerweise als die alttestamentarische Bibel bezeichnet.
Ø Das mündliche Gesetz, das die meisten rabbinischen Kommentare umfaßt, beispielsweise die Mishnah und den Talmud.

Der Judaismus lehre seit jeher, daß ein Jude an die Thora glauben und seine Religion mit all ihren vielen detaillierten Gesetzen [613 an der Zahl] ausüben muß, ohne auch nur ein Jota von diesen Geboten abzuweichen. Die Thora verlange, daß die ganze Menschheit an den ›Einen Gott‹ glaube und seine »fundamentalen Gesetze der Moral«, wie sie in der Thora festgehalten sind, befolgt. Nur ein solcher Mensch würde als rechtschaffen angesehen werden und die kommende Welt erben.

Rebbe WEISS fährt in seinen ausführlichen Erklärungen wie folgt fort: »Und so lebten die Juden Generationen auf Generationen im Einklang mit dem Gesetz Gottes, demütig und rein, vertieft in das Studium und Ausüben des Willens des Schöpfers und seinen vielen Geboten in der Thora. Im Zuge der europäischen Aufklärung wurde jedoch das Fundament der jüdischen Existenz angegriffen. Zum ersten Mal in der Geschichte unseres Volkes wandten sich viele Juden vom Glauben an die Thora ab. Außerdem entstanden verschiedene Gruppierungen, welche zwar die jüdische Identität erhalten wollten, aber gleichzeitig die Ausrichtung auf Gott als Mittelpunkt des jüdischen Lebens aufgaben und damit auch den Gehorsam gegenüber der Thora – wie beispielsweise die Reformjuden oder später die konservative jüdische Bewegung.

Historisch gesehen ist der Zionismus bloß einer dieser vielen zur letzten Jahrhundertwende aufgekommenen Versuche, eine säkulare (weltliche) jüdische Identität zu schaffen. Doch entgegen anderen Bewegungen war der Zionismus sehr erfolgreich. Vielleicht deshalb, weil er auf einzigartige Weise traditionelle Ideen mit einer neuen Ideologie verwob. [...] Durch die Zeitalter hindurch lebten die Juden ein demütiges, heiliges Leben, suchten den Frieden zu allen Menschen und bemühten sich, loyale und kooperative Bürger jener Nationen zu sein, in denen sie lebten – genauso wie es Gott von ihnen verlangte.

Gemäß dem traditionellen Thora-Glauben war das Heilige Land ein Geschenk Gottes an das jüdische Volk, allerdings geknüpft an Bedingungen. Es war ein Ort, wo man Gott anbeten sollte. Die Bibel prophezeite jedoch, daß die Kinder Israels aus ihrem Land verbannt und ins Exil geschickt würden, sollten sie ihre geistige Aufgabe nicht erfüllen. Diese Verbannungsstrafe wird solange dauern, bis es dem Herrn in Seiner Gnade gefällt, der Geschichte, wie wir sie kennen, ein Ende zu bereiten. Dann wird die messianische Ära beginnen, eine Zeit der universalen Bruderschaft und des Friedens. In dieser utopischen Zukunft wird die ganze Menschheit friedvoll und harmonisch den Einen Gott anerkennen und anbeten, mit dem Heiligen Land und der Stadt Jerusalem als Zentrum.«

Seit der Tempelzerstörung glaubten die Juden »die ganze jüdische Geschichte hindurch, daß unsere Verbannung eine göttliche Strafe sei. So wagte es auch kein Jude während den Jahrtausenden unseres Exils (Diaspora), die Zerstörung des Tempels durch die Römer auf das Unvermögen der jüdischen Streitmacht zurückzuführen. Vielmehr ging der Tempel physisch verloren, weil das jüdische Volk versagt hatte, nach den geistigen Geboten Gottes zu leben. Deshalb hat kein Jude – trotz aller Ausgrenzung und Verfolgung – je vorgeschlagen, man solle das Heilige Land mit Waffengewalt zurückerobern. Das Exil war zwar eine physische Tatsache, doch wurde es durch rein geistige Kräfte herbeigeführt und aufrechterhalten.« Dies ist die wesentliche Essenz der thoragläubigen Überzeugung! Die Diaspora kann nur und ausschließlich von Mächten beendet werden, die von geistiger Natur sind. Erst dann werde die versprochene Ära des Friedens und eine weltweite Bruderschaft eingeläutet werden. Das ist das schlußendliche Ziel und eben nicht die Schaffung eines Staates Israel, der ein politisches Gebilde darstellt und begründet ist auf der Unterdrückung und Unterwerfung eines anderen Volkes. Dies wäre »geradezu die Antithese zu jenem Ende der Diaspora, auf das wir hoffen: nämlich eine Spiritualität voller Bruderschaft, Harmonie und weltweitem Dienst an dem Einen Gott. Um es mit den Worten von Rabbi Samson HIRSCH zu sagen, einem deutsch-jüdischen Gelehrten des 19. Jahrhunderts: ›Als während der Herrschaft des römischen Kaisers Hadrian sich die von Bar Kochba angeführte Revolution als verhängnisvoller Fehler erwies, wurde klar, daß das jüdische Volk einer grundlegenden Tatsache ständig gedenken muß: Niemals mehr darf das Volk Israel versuchen, sich seine nationale Unabhängigkeit durch eigene Kraft zu erkämpfen; es muß seine Zukunft als Nation ausschließlich in die Hände der göttlichen Vorsehung legen. (...) Es ist uns verboten, mit Mitteln nach der Vereinigung und Wiederinbesitznahme des Landes zu trachten, die nicht geistiger Natur sind.‹«

Der Zionismus steht all diesen Überlegungen und Überzeugungen entgegen: »Er besteht darauf, daß das Exil eine rein materielle Angelegenheit ist, hervorgerufen durch militärische und physische Schwäche. Der Zionismus rief das jüdische Volk dazu auf, sein Exil mit Waffengewalt zu beenden. Er führte Krieg, zuerst gegen die Briten und dann gegen die Palästinenser. Der Versuch, das Exil mit rein weltlichen Begriffen zu erklären und dementsprechend zu handeln, ist nicht einfach nur eine fehlgeleitete Doktrin oder eine Entstellung der jüdischen Geschichte. Es ist ein Schlag gegen das Herzzentrum des jüdischen Glaubens. Tatsächlich schrieb der MAHARAL VON PRAG, ein tschechoslowakischer Rabbi und eine Schlüsselfigur unter den jüdischen Führern des Mittelalters, daß ein Jude eher sein Leben aufgeben soll als zu versuchen, das Exil durch die Rückeroberung des Heiligen Landes zu beenden«.[xxviii]

Die thoragläubigen Juden vertreten also den Grundsatz, daß derjenige, der die »Tatsache« zurückweise, daß die Belohnung und Züchtigung eines jeden Menschen »von Gott« komme, sich der »Gotteslästerung« ebenso schuldig mache wie derjenige, der den Grund der Züchtigung in der militärischen Schwäche sehe. Die Diaspora ist der thoragläubigen Überzeugung zufolge weit mehr als bloße Strafe oder Züchtigung! Das jüdische Volk sei unter die Nationen zerstreut worden, »um durch Wort und Tat von der Existenz Gottes und seinen offenbarten Geboten für alle Menschen zu zeugen«, oder um es mit den Worten des Rebbe BACHYA, ein saragossischer Bibelkommentator des 12. Jahrhunderts, auszudrücken: »Das jüdische Volk sollte sich unter die Nationen mischen, damit diese Nationen von ihnen den Glauben an die Existenz Gottes und an Seine Vorsehung lernen können.«

Es ist aus dieser Sicht nur folgerichtig festzustellen, daß jene Juden, die das Exil nicht länger als göttlichen Willen betrachteten, seine Ursache mit nichts weiterem als der weltlichen Schwäche der Juden zu erklären versuchten. Frustriert über die Länge der Diaspora, dämonisierten sie alle Nationen. In ihren Augen würden alle Nichtjuden die Juden für alle Zeiten hassen. Deshalb, so argumentierten sie, müßten die Juden das Exil so schnell als möglich auf politischem Weg beenden, selbst mit Waffengewalt. Damit war die Pseudoreligion des Zionismus war geboren.[xxix]

Für ihre Überzeugungen gehen thoragläubige Juden auf die Straße, um in aller Öffentlichkeit ihren Standpunkt darzulegen. Anläßlich der im Juni 2004 in Wien durchgeführten Feier des 100. Todestages von Theodor HERZL, dem zionistischen Vordenker des Staates Israel, demonstrierten Vertreter des traditionellen Judentums aus aller Welt gegen den Zionismus, und erklärten, daß HERZL »mit seiner Idee keinerweise das jüdische Volk« vertreten habe. Die Thora, als göttliches Gesetz der Juden, verbiete es diesen, aus eigener Kraft die Diaspora zu verlassen und einen Staat zu gründen, bis Gott in seinem Willen seinem Volke und der ganzen Welt die endgültige Erlösung bringe. »Herzl war ein völlig assimilierter Jude und hatte von jüdischer Überlieferung und jüdischem Gedankengut keine Ahnung. Das jüdische Volk ist von Gott vor 2000 Jahren in die Verbannung (Diaspora) geschickt worden, und wird von Gott auch wieder aus dieser erlöst werden. Bis dann hat es geduldig, wohin immer es das göttliche Schicksal vertrieben hat, treu und untergeben zu seinen Gastvölkern zu sein. [...] Der ›Zionismus‹ lehnt aber Gott und seine Thora ab, und betrachtet das Volk Israel als ein profanes Volk, und die Diaspora als ein politischer Zustand, den es aus eigener Kraft zu überwinden gilt. Zu diesem Zweck wurde vor über 100 Jahren der ›Zionismus‹ und später der ›Staat Israel‹ gegründet. [...] Wir wollen, daß der Staat Israel vollständig aufgelöst wird und die dortige jüdische Bevölkerung wieder in die Diaspora zurückkehrt«.[xxx] In seiner Rede anläßlich des Besuches des israelischen Ministerpräsidenten Ariel SHARON im Weißen Haus im Februar 2002 erklärte Rebbe Dovid WEISS: »Es ist höchste Zeit, daß das jüdische Volk begreift was unsere Weisen und die überwältigende Mehrheit der Juden bereits zu Beginn der zionistischen Bewegung, vor etwas mehr als einem Jahrhundert, begriffen hatten, nämlich, daß der Zionismus eine große Gefahr für das jüdische Volk darstellt. [...] Von den Vertretern dieses Staats wird der Menschheit gesagt, Israel vertrete das Judentum. Dies ist barer Unsinn. Häretiker können nicht Vertreter des Volks der Torah sein. Diejenigen, die sich schweren Grausamkeiten gegenüber den Palästinenser schuldig gemacht haben, können nicht Vertreter eines barmherzigen Volkes sein. Das jüdische Volk ist dazu berufen, sich der Torah und dem Dienst Gottes zu widmen. Uns wurde von unserem Schöpfer auferlegt, in den Ländern unseres Exils als loyale Bürger zu leben und allen Menschen gegenüber Aufrichtigkeit zu wahren«.[xxxi] Der Zionismus sei eine üble Abweichung, die ihre Opfer in endlose Konflikte mit anderen Völkern verstrickt. Wer will angesichts der israelischen Realpolitik diese vernichtende Beurteilung in Abrede stellen?

[i] Hersh LOWENTHAL, (TRUE TORAH JEWS AGAINST ZIONISM), e-Brief v. 19.10.2006 an den Verfasser.
[ii] Vgl. Claus NORDBRUCH, Judenfragen. Selbstverständnis und Problematik, Tübingen 2006.
[iii] Zitiert in Jüdische Rundschau, Monatsausgabe April 1933, S. 4.
[iv] Zitiert in Udo WALENDY, Aspekte jüdischen Lebens im Dritten Reich, II. Teil, in: Historische Tatsachen, Nr. 62, [Vlotho 1994]. Andere Sekundärquellen geben den Namen der Zeitung mit Tatscha Retsch bzw. Marcha Rjetsch und außerdem als Erscheinungsdatum den Januar 1934 an.
Der französische Historiker Jacques BENOIST-MECHIN zitiert in seinem Grundlagenwerk Histoire de l’Armèe allemande (Paris 1964-1966, Band IV, Seite 303) JABOTINSKI wie folgt: »Depuis des mois, le combat contre l’Allemagne est menè par chaque communautè juive, çhaque confèrence, çhaque congrës, dans tous les syndicats et par chaque juif dans le monde. Il y a des raisons d’admettre que notre part çe combat est de valeur gènèrale. Nous dèclencherons une guerre spirituelle et matèrielle du monde entier contre l’Allemagne. L’ambition de l’Allemagne c’est de redevenir une grande nation, de recouvrer ses territoires perdus et ses colonies. Mais nos intèríts juifs exigent la destruction totale de l’Allemagne. Collectivement et individuellement, la nation allemande est un danger pour nous autres juifs.«
[v] Zitiert nach »Antisemitismus«, in: Nation & Europa, Heft 4/1956, S. 36.
[vi] »Editorial Interpretations of Current Events«, in: The American Hebrew v. 30.4.1937, S. 1176.
[vii] Stephen S. WISE (Hrsg.), Never again! Ten Years of Hitler, New York 1943, S. 19, 48, 35,
[viii] Vgl. Chaim WEIZMANN, Memoiren. Das Werden des Staates Israel, Zürich 1953, S. 605.
[ix] Deutsche Übersetzung nach »Die erste Kriegserklärung – 10 Jahre vor Auschwitz«, in: Nation & Europa, Heft 5/1967, S. 33.
[x] Chaim WEIZMANN, Memoiren. Das Werden des Staates Israel, Zürich 1953, S. 609.
[xi] Mahatma GANDHI, »Zur Lage der Juden in Deutschland und Palästina«, in: P. MENDES-FLOH, Ein Land und zwei Völker. Zur jüdisch-arabischen Frage, Frankfurt 1983, zitiert nach Benjamin BEIT-HALLAHMI, Schmutzige Allianzen. Die geheimen Geschäfte Israels, München 1988, S. 39.
[xii] Vgl. https://www.nkusa.org/Foreign_Language/German/062002german.cfm
[xiii] Israel Pocket Library, History from 1880, (Compiled from material originally published in the Encyclopaedia Judaica), Jerusalem 1973, S. 8.
[xiv] Ed CORRIGAN, »Jüdische Dissidenten über Zionismus und Israel«, (ins Deutsche übersetzt von Ellen ROHLFS), in: https://www.lebenshaus-alb.de/magazin/003037.html
[xv] Avraham BURG, »Eine gescheiterte israelische Gesellschaft stürzt zusammen, während ihre Führer schweigen«, (Aus dem Hebräischen ins Englische übersetzt: J.J. GOLDBERG; aus dem Englischen: Kay Krafczyk und Ellen Rohlfs) in: https://www.arendt-art.de/deutsch/palestina/Stimmen_Israel_juedische/Avraham-Burg-1.htm
[xvi] Vgl. Uri AVNERY, e-Brief v. 21.10.2006 an den Verfasser.
[xvii] Gabriel ASH, e-Brief v. 25.10.2006 an den Verfasser.
[xviii] https://www.mizrachi.org/aboutus/default.asp
[xix] https://www.nkusa.org/Foreign_Language/German/062002german.cfm
[xx] Vgl. Yakov M. RABKIN, A Threat from Within. A Century of Jewish Opposition to Zionism, London 2006, S. 17f., 131 und 139f.
[xxi] Vgl. »Brooklyn/USA: Rabbi Teitelbaum, geistiger Führer der Satmar Hassidim, gestorben«, in: stern v. 25.4.2006.
[xxii] Vgl. https://www.jewsagainstzionism.com/about/mission.cfm
[xxiii] Vgl. https://www.jewsagainstzionism.com/zionism/notjews.cfm
[xxiv] Vgl. https://www.jewsagainstzionism.com/zionism/zioniststate/immigration.cfm
[xxv] Hersh LOWENTHAL, (TRUE TORAH JEWS AGAINST ZIONISM), e-Brief v. 27.10.2006 an den Verfasser.
[xxvi] Vgl. V. SOLOVEITCHIK, »›Die Zionisten haben das Herz des Judentums attackiert‹«, op. cit.
[xxvii] https://www.zionism-israel.com/dic/Neturei_Karta.htm
[xxviii] Ebenda.
[xxix] Vgl. ebenda.
[xxx] »›Theodor Herzl‹, ›Zionismus‹, ›Judenstaat‹, das Unglück des Jüdischen Volkes«, in: https://www.nkusa.org/Foreign_Language/German/062504ViennaGerman.cfm
[xxxi] (Übersetzung von Susanne SCHEIDT) in: https://www.nkusa.org/Foreign_Language/German/feb0602german.cfm

Quelle: https://www.jewsagainstzionism.com/articles/interview.htm

"Zionismus: Holocaust am jüdischen Volk"

"Zionismus: Holocaust am jüdischen Volk"

Von REUVEN J. CABELMAN

Mit großen Lettern, für jeden Passanten in Meah Shearim sichtbar, klagt ein Schild mit dieser Aufschrift an einem jüdischen Haus dieses Stadtteils Jerusalems den Zionismus an. Zunächst einmal ist dies in einem spirituellen Sinne zu verstehen: Jemand der einen anderen zur Sünde verleitet ist schlimmer als ein Mörder, denn - so schlussfolgern unsere Weisen - der zur Sünde Verleitete verliert nicht nur einen Anteil an dieser, sondern vor allem seinen Anteil an der kommenden Welt.

Die Zionisten haben mittlerweile Generationen von Juden zu "Nationalstaats-Juden" transformiert, sie zu "einer Nation wie die Nationen" gemacht und nahezu vergessen scheint die Bestimmung, dass wir ausschließlich ein Volk auf Grundlage der Thora sind. "Das jüdische Volk hat viele spirituelle Plagen ertragen müssen", schrieb der Brisker Rov, "Die Sadduzäer, Karäer, Hellenisten, Schabbse Zwi, die Aufklärung, Reform und viele andere. Doch die stärkste von allen ist der Zionismus. Die Zionisten entfernen Juden nicht deshalb vom Judentum, um einen Staat zu bekommen. Sie brauchen einen Staat, um damit Juden vom Judentum zu lösen."

Doch auch unter zwei anderen sehr praktischen und gleichwohl wesentlichen Gesichtspunkten jüdischer Rechts- und Moralauffassung verhält sich der zionistische Staat gegen die Lehren und Prinzipien der Thora und damit zugleich auch gegen das jüdische Volk und seine Traditionen, nämlich im Umgang mit ungeborenem Leben und mit unseren Verstorbenen. Themen, welche in der Weltöffentlichkeit – wenn überhaupt – nur am Rande wahrgenommen werden.

Jüdische Gräber und Friedhöfe werden für die Ewigkeit angelegt. Das Judentum zollt den Seelen seiner Verstorbenen damit tiefen Respekt. In Staaten (wie beispielsweise Belgien), in denen von Gesetzes wegen nur Gräber auf Zeit zugelassen werden, existieren keine jüdischen Friedhöfe. Wenn irgendwo in Europa jüdische Gräber bei Nacht und Nebel geschändet werden, geht ein Aufschrei durch die Medien. Die Vertreter des Zionismus nehmen dies meist zum Anlass, um lautstark zu protestieren und die Politik damit zu konfrontieren, dass derlei Untaten auch ein Anzeichen für latenten Antisemitismus wären. Unabhängig davon, ob man diese Ansicht teilt oder nicht, muss jedoch zumindest festgehalten werden, dass die vielen jüdischen Friedhöfe in europäischen Ländern seitens offizieller Stellen einen besonderen Schutz genießen und ältere oft genug von den jeweils dafür zuständigen städtischen Kommunen gepflegt werden. Undenkbar wäre es, dass zum Beispiel die alten jüdischen Friedhöfe in Worms, Mainz oder Berlin für ein Autobahnteilstück oder die Errichtung eines Supermarktes weichen müssten oder Gräber deswegen ausgebaggert würden.

Sowohl in arabischen Ländern wie auch im Iran und der Türkei stehen die Gräber unserer Vorfahren und Propheten unter einer staatlichen Fürsorge und werden von den Muslimen genauso geehrt wie von uns Juden. Stellvertretend für viele seien hier nur die Gräber von Mordechai HaTzaddik und Königin Esther im Iran erwähnt. Aus der langen Periode der osmanischen Herrschaft in Palästina ist nicht bekannt, dass jüdische Gräber mit Vorsatz vernichtet worden wären.

Doch ganz gegensätzlich verhält es sich in dem Staat, der sich "jüdisch" nennt: Seit Jahren genehmigen und veranlassen die Zionisten an verschiedenen Plätzen im Lande ganz offiziell die Zerstörung antiker, 2000 Jahre alter Gräber, um dort Straßen oder Supermärkte bauen zu können. Tausende orthodoxe Juden stehen in direkter Konfrontation mit den Behörden und der zionistischen Polizei, um diese Gräber vor Schändung und Zerstörung zu bewahren. Sie werden verprügelt, man setzt Tränengas gegen sie ein und verhaftet sie reihenweise. Doch wo ist darüber zu lesen, wer berichtet davon und wo sind die ansonsten so plärrenden selbsternannten "jüdischen" Führer mit ihren Anklagen und Beschwerden, die doch immer dann zur Stelle sind, wenn in Deutschland ein Grabstein umgestoßen wird? Und wo ist die UNO, die offenbar an dieser Art Zerstörung historischen Weltkulturerbes keinen Anstoß nimmt?

Die 2 Millionen

Das Judentum verbietet vorzeitige Schwangerschaftsabbrüche nicht grundsätzlich. Der Fötus jedoch gilt nach jüdischer Rechtsauffassung bereits als eigenständige Person, als ein vollwertiges menschliches Wesen. Wer dieser Person einen Schaden zufügt, hat mit Sanktionen zu rechnen. Nur wenn das Leben dieser Person – also des Fötus – einer anderen, bereits geborenen Person zur Gefahr werden könnte, hat das Leben des autonomen Menschen Vorrang vor dem Fötus. Aus diesem Grundsatz heraus ergibt sich, dass eine Abtreibung im Judentum nur dann zulässig ist, wenn mit einer direkten Bedrohung des Lebens der Mutter durch das Austragen des Fötus oder durch die Geburt an sich zu rechnen wäre. Jüdisches Recht dringt weitaus tiefer in diese Materie ein und beschäftigt sich mit sehr vielen Detailaspekten bezüglich des Problems eines vorzeitigen Schwangerschaftsabbruches, die wir hier jedoch jetzt nicht alle aufführen können. Jedoch weicht keine dieser halachischen Debatten und Rechtsauffassungen von obigem Grundprinzip ab.

Die Tatsache jedoch, dass der sogenannte und selbst erklärte "jüdische Staat" Massentötungen am ungeborenen Leben jüdischer Kinder legalisiert hat und auf allen Ebenen unterstützt, ist ein ungeheuerliches Verbrechen und darüber hinaus eine unbeschreibliche Schändung des göttlichen Namens vor der gesamten Welt, die in der Geschichte des jüdischen Volkes ihresgleichen sucht.

Sage und schreibe über zwei Millionen jüdische Babys wurden seit 1948 im zionistischen Staat legal „abgetrieben“! Aus einer Statistik geht hervor, dass beispielsweise alleine im Jahre 1999 ca. 34.000 Abtreibungen durchgeführt wurden. Das sind fast 100 pro Tag!

Doch die Zionisten schreien, die Palästinenser seien Mörder. Wie viele Tage kann man denn seit 1948 zählen, an denen „die Araber“ 100 Juden an einem einzigen Tag getötet hätten? Noch nicht einmal die Nazis hatten zwei Millionen jüdische Kinder auf ihrem Gewissen!

Wo sind die Meldungen darüber in den Medien? Wo sind die Schreihälse des Zionismus hierzulande, die Grabschändungen und Massenmord an ungeborenem Leben, noch dazu im Heiligen Land, verurteilen würden?

Der Umgang einer Gesellschaft mit ihren Verstorbenen und noch Ungeborenen wirft ein grelles Licht auf den moralischen Zustand derselben. Gegenüber den Lebenden hat solch eine Gesellschaft in aller Regel noch weniger Respekt. Die Zionisten lassen nicht nur diese Art von Respekt in jeglicher Hinsicht vermissen, sondern beladen obendrein das uns Juden heilige Land (Eretz HaKoidesh) mit spirituellem Schmutz noch nie da gewesenen Ausmaßes. Faktisch sind sie die ärgsten Feinde der Thora und des jüdischen Volkes. Sie sind diejenigen, die das Judentum an der Wurzel ausreißen wollen. Wie zutreffend ist doch dieses Plakat an der Fassade des Hauses in Meah Shearim. Sowohl in Hinsicht spiritueller Konzepte wie auch bezogen auf ganz materielle Aspekte.

https://derisraelit.blogspot.com/2010/06/zionismus-holocaust-am-judischen-volk.html

Re: Jüdische Gegner des Zionismus

Hallo Solve,

habe Deinen neuesten Beitrag hierzu hierher verschoben, da es im Prinzip um das Gleiche geht.

LG Eva

Fürchte dich nicht davor, exzentrische Meinungen zu vertreten; jede heutige Meinung war einmal exzentrisch. (Bertrand Russell)
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Viele kleine Leute, in vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern. (Spruchweisheit der Mandika, Afrika)