Jugendamtsterror und Familienrechtsverbrechen - Kinder- und Jugenddelinquenz

Lieber den Boxsack prügeln als den Mitschüler

Lieber den Boxsack prügeln als den Mitschüler

"Lieber den Boxsack prügeln als den Mitschüler"

Ärzte Zeitung Nr. 212 vom 24.11.2006, Seite 16
0175-5811
SEELZE (ddp.vwd). In einem bundesweiten Pilotprojekt in Seelze bei Hannover soll durch Boxen der Jugendgewalt an Schulen vorgebeugt werden. Die Teilnehmer sollen "lieber den Boxsack prügeln als ihre Mitschüler", heißt es im niedersächsischen Kultusministerium im Hinblick auf das Projekt, das mit Hilfe der Opferschutzorganisation "Weißer Ring" initiiert worden ist.

Die 17 Jungen und Mädchen haben Schweißperlen auf der Stirn. Ihre Sport-Shirts sind durchnäßt, ihre Arme werden schwer. Box-Trainer Arthur Mattheis kündigt die letzte Übung an: "Die Ellenbogen an den Körper, Kinn runter, Fäuste nach oben und auf den Zehen vor und zurück tänzeln". Konzentriert schauen die 13- bis 14jährigen Schüler ihrem Trainer zu und wiederholen die Übungen. Schließlich ist das Boxtraining der Geschwister-Scholl-Hauptschule in Seelze zu Ende.

"Körperliche Auseinandersetzungen sind bei uns noch nicht sehr ausgeprägt", sagt Schulleiterin Regina Lies. "Deswegen wollen wir präventiv handeln." Durch das Projekt hoffen Lehrer und Trainer, die Persönlichkeit der Kinder und den Respekt füreinander zu stärken und das Schulklima zu verbessern. Bei dem einjährigen Training im Boxsportklub kämpfen die Teilnehmer nicht gegeneinander. Geübt wird ohne Körperkontakt. Dafür gibt es Lauftraining, Beinarbeit und Schattenboxen.

Teilnehmer sollen ihre Körper beherrschen lernen

Offenbar falsch verstanden hat der 13jährige Mohamed Ramadan den Sinn des Trainings. "Ich will eine stabile Faust erlernen", sagt er. Er wolle sich schließlich verteidigen können, wenn ihn jemand angreift. Die Teilnehmer sollten vielmehr ihren Körper beherrschen lernen, um besser mit Aggressionen umzugehen, sagt Lies. Es gehe nicht darum, drauf los zu hauen. Das Training solle Kondition und Koordination fördern, erläutert Mattheis. Aus langjähriger Erfahrung weiß der Landestrainer: "Der Effekt ist genial." Die Jugendlichen würden dadurch ruhiger und ausgeglichener. Die frustabbauende Wirkung des Boxsacks sei auch durch Studien der Universität Würzburg belegt.

Der 14 Jahre alte Duran Demircioglu kann dies bestätigen. Er trainiert bereits seit zwei Jahren in Hannover-Linden in einem Boxverein. "Vor zwei Jahren bin ich aggressiver gewesen, jetzt nicht mehr so", sagt der Schüler. Allerdings geht es ihm nicht zuerst um den Abbau von Gewalt. Er träumt vielmehr davon, einmal Meister im Boxen zu werden. Außerdem würde ihm das Boxtraining auf der Straße nicht viel weiterhelfen. "Der Sport hier bedeutet nicht, daß man auf der Straße genauso stark ist wie im Ring", betont er. Im Ring komme es vielmehr auf die Technik an.

Als Schulsport ist Boxen nicht anerkannt

In einer Arbeitsgemeinschaft trainieren die Schüler einmal pro Woche. Als Schulsport sei Boxen nicht anerkannt, aber durch das Pilotprojekt sei die Arbeitsgemeinschaft möglich, sagt Lies. Begleitet werden die 13- und 14jährigen von ihrer Sportlehrerin und einer Sozialpädagogin. "Das war Voraussetzung für die Genehmigung des Projekts", betont Lies.

Für die Schüler ist die Teilnahme kostenfrei. Die meisten Kinder haben sich freiwillig für den Kurs gemeldet. Begründung war in vielen Fällen, "etwas neues auszuprobieren". Ein paar Schüler seien aber auch gezielt angesprochen worden, sagt Lies. Dazu zählten Kinder, die Probleme haben, sich zu konzentrieren.

Re: Lieber den Boxsack prügeln als den Mitschüler

Von Hanspeter Bundi (Text) und Mathias Braschler ( Fotos )
Hungrige Fäuste

Facts vom 20.01.2005 Seite 32
1422-9986
Sie heissen Vito oder Mohamed, sie stammen aus Algerien oder Spreitenbach.
Sie steigen in den Ring, weil sie sich von ganz unten nach ganz oben schlagen wollen. Sie kämpfen selbst dann, wenn sie nur verlieren können. Eine Boxnacht in Bern.

Vito kämpft, als ob er eine Chance hätte. Sein Gegner, ein hagerer, ernsthafter Russe, ist zu gross gewachsen für ihn, zu jung, zu hungrig. Vito hat es schon in der ersten Runde gemerkt, als der Russe ihn auf Distanz hielt und seine Versuche, auf Halbdistanz oder in den Nahkampf zu gehen, mit präzisen Geraden abblockte. Was jetzt noch bleibt, ist die Hoffnung auf den Lucky Punch oder auf ein grobes Missgeschick des andern. Vito kämpft.

Im Berner Kursaal ist es ruhig, still fast. Nur die Schritte der beiden Boxer sind zu hören, das Plopp, wenn ihre Schläge in der Deckung des andern landen, das Klatschen, wenn sie auf den Körper treffen.

Vito ist wütend. Nicht auf den Russen, sondern auf Bruno Arati, seinen Promoter und Trainer, und auf Peter Stucki, den Präsidenten der Berufskommission des Verbandes, die ihm diesen Kampf eingebrockt haben. Wenn man das Interesse der Box-welt in Russland wecken wolle, wird Stucki nach dem Match erklären, müsse man auch den russischen Gästen den einen oder andern Erfolg zugestehen. «Boxen ist der Sport für die Hungrigen, die sich hochkämpfen wollen. Doch jeder weiss, dass Boxen auch Business und Kalkül ist», wird Stucki sagen.

Über 1000 Leute, mehr als in den letzten Jahren, sind ans traditionelle
Stephanstag-Meeting gekommen, um Vito, Yves, Mohamed und Riad kämpfen zu
sehen, die algerisch-italienisch-schweizerischen Lokalmatadoren. Ihre Gegner sind Profis aus Frankreich und Russland, deren Namen hier niemand kennt, wie in Russland und Frankreich niemand die Namen der Berner kennt. Ziel ist es, über die Re- gion und das Land hinaus bekannt zu werden. So wie Fritzli Chervet zum Beispiel, der in seinen besten Zeiten, Anfang der Siebzigerjahre, 10 000 Zuschauer ins Zürcher Hallenstadion lockte. Von solchen Zahlen ist der Schweizer Boxsport zurzeit weit entfernt. Zusammen mit dem CEO einer Werbeagentur will Bruno Arati das Boxen wieder aus dem engen Kreis der In- teressierten herausholen und mit Glamour umgeben. Arati ist 51und einer der besten Boxtrainer des Landes - ans grosse Geld ist er bisher noch nicht gekommen. Arati hat neun Profis unter Vertrag genommen, die als «Boxing Kings» in Schweizer Städten auftreten sollen. Die 1000 Leute im Kursaal könnten ein Anfang sein. Der Stadtpräsident ist gekommen, dazu ein Nationalrat. Auch der ehemalige Boxer Stefan Angehrn, der heute als Prominentenvermittler arbeitet. Vielleicht werden Boxmeetings tatsächlich zum Lifestyle-Event, so wie die Promoter das gern möchten.

Vito Rana würde am Aufschwung nur mehr am Rand teilhaben. Er ist 34 Jahre alt, und die Hoffnung auf den grossen Durchbruch hat er aufgeben. 10 Siege in 15 Profikämpfen. Zu wenig für einen internationalen Meistertitel. Auf das nahende Ende seiner Karriere hin hatte er erwartet, dass man ihm einen Gegner zuteile, gegen den er gut aussehen kann: einen draufgängerischen Latino zum Beispiel, einen kleinen, wendigen Franzosen. Stattdessen ist er in einen elenden und aussichtslosen Kampf mit diesem jungen Russen verstrickt, der die Schläge ebenso unbewegt einsteckt, wie er sie austeilt.

Und dafür hat er sich nach einer längeren Kampfpause noch einmal auf sein
Kampfgewicht he-runtergehungert, hat sich Brunos knallhartem Training
unterzogen, hat sich von ihm antreiben lassen. Nicht nachgeben! Los! Und grad nochmals drei Minuten. Vito hat auf die Deckung gehauen, die Bruno ihm hinhielt. Ja! Von unten he-rauf!, hat Bruno geschrien. Ja! Ja! Und jetzt links-rechts-links! Jeder Schlag ein Schrei. Ja! Ja! Ja! Er hat Liegestützen und Rumpfbeugen gemacht, bis die Muskeln sauer waren und der Schweiss an ihm herunterlief. Das alles nicht für die Gage von 1000 Franken, sondern wegen der Hoffnung auf einen schönen Kampf, und ein wenig auch, um die Arbeitslosigkeit zu vergessen, die Leere, die sich immer wieder vor ihm auftut, seit er nicht mehr als Automechaniker und auch nicht mehr als Boxtrainer arbeitet.

«Eigentlich ist es pervers»

Vito kämpft elegant und mit Herz. Das ist er sich und dem Publikum schuldig. Er kämpft darum, den Ring mit erhobenem Haupt verlassen zu können. «Hopp, Vito!» ruft ein Anwalt, dessen Name, so sagt er, nichts zu Sache tut. Er sitzt mit einem Freund aus Studentenzeiten hier, der Staatsanwalt geworden ist. «Los, Vito, gibs ihm!», ruft der Staatsanwalt. «Eigentlich ist es pervers», sagt der Jurist, der in seinem Berufsleben auf Fälle von Körperschädigung spezialisiert ist. «Wir wissen genau, was die Schläge im Kopf anrichten. Trotzdem hoffen wir auf möglichst harte Kämpfe.» Ein harter Kampf ist einer, bei dem die Uppercuts, die Geraden, die Haken nicht in der Deckung landen, sondern durchkommen. «Man muss ganz vorn sitzen, um die Wirkung zu sehen», sagt der Staatsanwalt. «Den Schmerz und die Wut und den Triumph auf dem Gesicht der Boxer.»

Früher, in Studentenzeiten, haben sie in Charly Bühlers legendärem
Boxkeller schräg gegenüber dem Bundeshaus trainiert, da, wo Profis gemacht
wurden und wo heute noch Parlamentarier und Chefbeamte hinkommen, um sich
fit zu halten und um in einer Art zuzuschlagen, wie sie es im Alltagsleben
nicht dürfen. Direkt auf den Mann, heftig und ehrlich. Der Anwalt und der Staatsanwalt waren schon lange nicht mehr dort. Das Studium beschäftigte sie, Berufsaussichten winkten und erfüllten sich bald. Mit Boxen haben sie aufgehört und kommen dafür regelmässig an den Boxing Day. Dort sitzen sie in der vordersten Reihe und schauen denen zu, die nicht aufgehört haben.

Vito verliert nach Punkten, doch nach dem Kampf werden ihm alle
gratulieren. Zuerst auf der Treppe, unter den Fotos der schon lange vergessenen Sänger und der mässig lustigen Komiker, die im Kursaal früher aufgetreten sind. In der Garderobe, oben an der Bar. Den ganzen Abend wird er hören, wie tapfer er sich geschlagen habe, doch Vito wird das Bedauern heraushören. «Grossartig gekämpft», wird Bruno Arati ihm sagen, während er ihn bar auf die Hand auszahlt, wie im Film. «Du hättest mir ruhig sagen können, was für einer dieser Russe ist», wird Vito ihm vorwerfen. «Später, wenn der andere ganz oben ist, wirst du dich an den Kampf erinnern», wird Bruno antworten.

In der Zeit, als er selber im Ring stand, war er einer wie Vito. Einer, der mit Herz kämpfte und nicht gut genug war, um in die Nähe eines internationalen Titels zu kommen. «Ich war Kanonenfutter», sagt Bruno illusionslos. «Tapfer, ausdauernd, aber halt eben Kanonenfutter.» Der Vater, ein kleiner Angestellter einer Metzgerei, hatte ihn zum Boxunterricht geschickt, damit er sich wehre, wenn auf dem Schulhof und im Quartier Prügel für die Tschinggen angesagt waren.

Bruno lernte schnell, verschaffte sich Achtung. Als Schüler des legendären Bühler wurde er einige Male Schweizer Meister bei den Amateuren. Als Profi feierte er an regionalen Meetings umjubelte Siege. Die Frauen liefen ihm, dem immer etwas aufgedrehten, immer etwas hilflos wirkenden Italoschweizer, nach. Einmal übertrug das Fernsehen einen seiner Kämpfe. Einmal, in Deutschland, trat er im Vorprogramm auf zu einem Kampf des grossen Muhammad Ali. Einmal brachte er einen späteren Europameister an den Rand einer Niederlage.

Jetzt ist Bruno über 50 Jahre und verdient sich sein Leben, indem er in
seinem Boxkeller, der früher eine Squash-Halle war, Amateure und
fitnessbewusste Laien trainiert. Die Profis trainiert er gratis und nimmt ein Drittel der Kampfgelder. Es geht nicht um Zehntausende von Franken. Schon 1500 gelten als anständig. «Was ist ein Drittel von 1500?», fragt Bruno. «Das ist nichts.» Auf einem Zuckerbriefchen vor ihm auf dem Tisch steht eine Lebensweisheit: «Wohlstand ist das Durchgangsstadium von Armut zu Unzufriedenheit.» Von seinen Burschen, sagt Bruno, lebe keiner im Wohlstand, kein Einziger. «Aber du wirst sehen, die bringen es weit.»

Yves Studer zum Beispiel. Er ist in Freiburg und in Spreitenbach aufgewachsen, stets dort, wo das Leben stattfinde, wie er sagt, das heisst der Kampf ums Überleben. Um in diesem Kampf bestehen zu können, lässt er sich von Bruno durch Qualen hetzen, und wenn die Qual zu gross werde, sagt er, beisse er die Zähne zusammen und schalte das Hirn aus.

Mehr Geld, mehr Applaus

Am Sandsack dann explodiert er. Er haut alles, was er in Spreitenbach, in der Kochlehre, daheim und auf der Strasse erlebt hat, in den Sack hinein, so hart, dass Bruno Mühe hat, dagegenzuhalten.

Der 23-jährige Yves gilt als Hoffnung des schweizerischen Boxsportes. Bei den Amateuren hat er sich vor drei Jahren an die Spitze des Weltergewichts gekämpft, und heute bestreitet er seinen ersten Profikampf. Heute wird er, anders als bei den Amateuren, auf Wirkung boxen. Er wird versuchen, den Gegner mit Schlägen auf Kopf und Körper zu schwächen, ihn in die Seile zu drängen oder noch besser, ihn auf den Boden zu zwingen. Er wird ein paar hundert Franken Gage erhalten, und das Publikum wird ihm einige Sekunden lang applaudieren. Später wird es vielleicht mehr sein. Mehr Geld und mehr Applaus. Das ist das eine. «Das andere ist, dass das Boxen meine Rettung war», sagt Yves. Er erzählt von Freunden, die im Alkohol versanken oder in den Drogen oder in der Gewalt oder in allem zusammen. Yves ist nicht versunken.

Kurz vor dem Match liegt er entspannt auf dem Boden der viel zu kleinen
Garderobe und zieht sich aus seinem Walkman Hard-rock rein und lächelt
selig. Manchmal, wenn jemand das Wort an ihn richtet, öffnet er langsam die Augen. Es sind erschreckend helle Augen, wie von einem dösenden Raubtier. So viel verhaltenen Hunger sieht man selten bei einem, der in der Schweiz aufgewachsen ist. Von den 20 Profiboxern in der Schweiz kommen nur gerade drei aus Familien mit zwei Schweizer Elternteilen. «Die Schweizer haben ein schönes Leben. Warum also sollten sie boxen?», fragt Yves. Tschechien sei anders, sagt er. Die Ukraine. Kroatien, England. Dorthin müsse man fahren, um Boxer zu sehen. «Sie haben nichts, und einige kommen mit nichts hierher.»

So wie Mohamed Belkacem. Er hatte 250 Euro und einige Kleidungsstücke dabei, als er nach einem Meeting in Wien hier eintraf, dazu den Trainingsanzug der Nationalmannschaft und ein Retourbillett in seine Heimat, das er für 25 Euro verkaufte. In Algerien hatte er zu den besten Boxern des Landes gehört, und die Copains rieten ihm, es anderswo zu versuchen. «Geh nach Europa», sagten sie. «Dort nimmt man gute Sportler mit offenen Armen auf. Dort gibt es Geld.»

Sieg nach Punkten

Mohamed merkte schnell, dass hier niemand auf einen algerischen Boxer und
Kickboxer gewartet hat. Also krempelte er die Ärmel hoch und arbeitete als Hilfspfleger in einem Altersheim. Später verpackte er in einer Grossmetzgerei mehr als 12 Stunden pro Tag Poulets. Gummi um die Schenkel - dann rein in die Packkiste. 10 Poulets pro Minute, 600 pro Stunde, 6600 pro Tag.

Mohameds Geschichte ist die des wachen und höflichen Immigranten, der
rechtlos in die Schweiz kommt, hart arbeitet, die Liebe eines
einheimischen Mädchens gewinnt und sich - vielleicht - nach oben kämpft.
Heute arbeitet Mohamed als Trainer in einem Fitnesszentrum in Freiburg, wo er sich wundert, wie schnell seine Schüler schlappmachen. Wenn er so schnell aufgäbe, sagte er, wäre er schon längst wieder in Algerien, würde wie seine Kollegen der Arbeit hinterherrennen. Er würde drei Kilometer gehen, um sauberes Wasser zu holen, und er müsste zusehen, wie sein Vater jedes Mal auf Ende Jahr einen Kredit aufnimmt, um über die Runden zu kommen. So aber hat er eine Arbeit, drei gewonnene Profikämpfe und eine Frau, die seine Matches filmt und ihn gleichzeitig anfeuert.

Mohamed und Yves gewinnen ihre Kämpfe nach Punkten.

Siege kann man planen. Wenn man einen Jungen aufbauen will, organisiert man für ihn Gegner, die er schlagen kann. Bruno spricht offen darüber. Alle Promoter sprechen offen darüber. Die Kunst ist es, Gegner zu finden, die attraktiv boxen, aber den Jungen nicht wirklich gefährlich werden. Wenn die Jungen ihre 10, 15 Matches gewonnen haben, beginnt der Ernst des Lebens. Dann treffen sie, auswärts oder daheim, auf gleichwertige Gegner, die wie sie auf dem Weg nach oben sind und von einem Titelkampf träumen, der sie aus dem Dickicht der internationalen Boxverbände heraus und ins Licht hebt, ins Fernsehen und zu den Sponsoren.

Dort ist Riad Menasria jetzt. Mit 22 Siegen in ebenso vielen Profikämpfen steht Riad vor dem Durchbruch. Der Kampf gegen den Russen Maxim Nestrenko, der in der Europarangliste weit vor ihm liegt, könnte die Tür zur Europameisterschaft weit aufstossen. «And now, Riad Menasria!», dröhnt eine Stimme mit rollendem R ab Tonband. Scheinwerfer, Tusch, ein biss-chen Feuerwerk. Es ist alles wie bei den Grossen, und alles ein wenig kleiner. Das Lächeln der Nummerngirls wirkt steif, auf den Tischen der Zuschauer steht Rivella.

Riad steigt in den Ring und winkt in das Publikum. Sehr selbstbewusst steht er da. Gross, elegant, sympathisch neben seinem bulligen Gegner. Im Kampf tänzelt er um ihn herum, und immer wieder, zack, zack, schiesst seine linke Führhand vor und trifft den Russen am Kopf. Der duckt sich, Riad tänzelt, zack, zack, immer wieder diese Linke, nicht wuchtig, aber oft, so, als ob er den andern reizen wollte. Zack! Zack! Ich treff dich, aber du triffst mich nicht. Riad nimmt die Deckung herunter und lässt seinen Körper zurückpendeln, um den Schlägen des andern auszuweichen. Eine Showeinlage fürs Publikum. Der andere lässt sich nicht beeindrucken. Er maschiert weiter auf Riad zu, schwerfällig, robust, eine russische Lokomotive, die alle Schläge des eleganten Algeriers frisst. Dann trifft auch er. Nicht elegant, sondern hart und gleich zweimal hintereinander. Im Publikum schreien einige auf. Riad geht in die Knie, wird angezählt. Russische Gewalt gegen südliche Provokation. Riad wird ein zweites Mal angezählt. Russland, so scheint es, gewinnt.

In der letzten Runde dann wendet sich das Blatt noch einmal. Riad dreht auf, schlägt. Schnelle Kombinationen, lässt die Schläge auf seinen Gegner einprasseln. Der hängt in den Seilen. Das Publikum tobt. Die Männer feuern an, Frauen schreien auf. Der Kursaal ist ein Hexenkessel.

Dann der Gong. Der Entscheid der Punktrichter. Unentschieden. Zehn Minuten später ist der Hexenkessel leer.

Später, beim Essen, schaut Enrico Scacchia kurz vorbei, in den
Achtzigerjahren ein grosser Boxer, von dem viele meinten, er hätte das
Zeug, um im Weltboxen eine Rolle zu spielen. Doch dann stieg ihm alles in den Kopf. Die hohen Gagen, die Prominenz, die Frauen, die hinter seinem Körper, und die Fotografen, die hinter seinem Gesicht her waren. Es folgten Amphetamine, Drogen, der Absturz ins Nichts. Jetzt tritt Scacchia auf, als ob er immer noch gross sei, grüsst da, grüsst dort, verteilt Komplimente und verschwindet gleich wieder. Alle lächeln. Der Enrico!

Die Jungen haben auf den gefallenen Helden kaum reagiert. Sie kennen seine Geschichte, und sie sind entschlossen, es besser zu machen. Sie werden ihre Kraft nicht verschleudern. Sie werden ihr Geld nicht in Luxus investieren. Sie werden bescheiden bleiben.

Yves wärmt sich an seinem ers-ten Erfolg bei den Profis und sagt, er wolle
diesen Erfolg, er brauche ihn, und er werde nie nur um des Boxens willen
boxen.

Vito kaut noch an seiner Wut, doch die wird verfliegen, wenn er morgen
nach Bari reist, zu seiner Mutter.

Mohamed spricht von seinem Lebenstraum. Der Traum geht so, dass seine Kämpfe von Eurosport übertragen werden, und Eltern, Verwandte, Freunde in einer ärmlichen Stube vor den Fernseher sitzen und sehen, wie Mohamed um den Gegner herumtänzelt, wie er ihm zusetzt, wie der Ringrichter seinen Arm hebt und ihn zum Sieger erklärt. Die Copains würden johlen und applaudieren. Und sein Vater würde sagen: «Das ist mein Sohn. Seht ihr, er hat sich in Europa einen Namen gemacht.»

Yves Studer (blaue Hose) beim Stephanstag-Meeting in Bern: Der
Stadtpräsident ist gekommen.

Vito Rana: «Später, wenn der andere ganz oben ist, wirst du dich an den
Kampf erinnern.»

Trainer Bruno Arati bandagiert vor dem Kampf Vito Ranas Fäuste: Schon 1500
Franken gelten als anständig.

Mohamed Belkacem: «Geh nach Europa. Dort gibt es Geld.»

Mohamed Belkacem beim Training: Die Geschichte eines Immigranten, der hart
arbeitet.

Yves Studer: «Boxen war meine Rettung.»

Re: Lieber den Boxsack prügeln als den Mitschüler

VERBRECHEN
Offensive gegen Schläger
Plötzlich ist der Kampf gegen junge ausländische Kriminelle ein Top-Thema
Von FOCUS-Korrespondentin Margarete van Ackeren, den FOCUS-Korrespondenten Frank Hauke-Steller und Thomas Zorn, Arno Heißmeyer, den FOCUS-Redakteuren Michael Hilbig, Josef Hufelschulte und Markus Krischer und FOCUS-Redakteurin Petra Hollweg

Ob Hans Maier eine glückliche Kindheit verbrachte? Der 46-jährige Gebäudereiniger wuchs in München mit sieben Brüdern und sechs Schwestern auf. „Die Eltern aus der Nachbarschaft hatten ihren Kindern verboten, mit uns zu spielen.“ Früh erkannte Maier, dass ihn nur Strenge gegen sich selbst auf Linie halten würde. Also lernte er zusammen mit seinen Brüdern das Boxen. Dieser Sport, so doziert der bayerische Muskelmann, verlange „eiserne Disziplin“. Einzig ihrer Selbstbeherrschung hätten er und seine Brüder es zu verdanken, dass sie „niemals eine Polizeistation von innen“ sahen. „Wir sind immer sauber geblieben.“

Maier, der auch den schwarzen Gürtel in Karate besitzt, will mit seinen Punch- und Lebensregeln Gutes tun. Die Welt verändert er nicht, aber vielleicht bewirkt er etwas im Münchner Problemviertel Neuperlach. Dort sprach er gezielt junge Ausländer an, die zwischen den Hochhäusern und in den Einkaufszonen herumlungerten – Menschen in „gefährlichem Fahrwasser“. Maier erzählte ihnen, sie sollten besser boxen als rumhängen. Inzwischen trainiert er im Studio Super Fit 2000 regelmäßig 20 Jugendliche. Ehrenamtlich. Einige von Maiers Schülern hatten früher die Zeit mit Einbrüchen, Raubdelikten oder Prügeleien totgeschlagen. Heute dreschen die jungen Türken, Polen, Iraker, Syrer und Afghanen auf Sandsäcke und lederne Schlagpolster ein. Der 20-jährige Türke Ali sagt, das Boxen tue oft weh. „Hier musst du deine Angst bekämpfen. Du musst Ausdauer zeigen. Genau wie im wahren Leben, wenn du korrekt bleiben willst.“

Die Frage, wie eine bestimmte Gruppe von Ausländern dazu gebracht werden könnte, ein „korrektes Leben“ in Deutschland zu führen, treibt die Republik um. Die Themen Klimaschutz, Inflation und Mindestlohn waren gestern. Das Video einer Münchner Überwachungskamera, das den barbarischen Prügel- und Trittüberfall eines 17-jährigen Griechen und eines 20-jährigen Türken auf einen wehr- und arglosen 76-Jährigen dokumentiert, scheint eine vollständig neue politische und gesellschaftliche Agenda geschaffen zu haben. Wie ein feinstaubfreies und sozial ausgewogenes Übermorgen zu erreichen wäre, interessiert nicht mehr. Top 1 lautet: Wie lässt sich eine kleine und gefährliche Gruppe notorisch krimineller Jugendlicher dazu bringen, die Mehrheit der in Deutschland Lebenden heute und morgen in Frieden zu lassen? Dass es sich bei diesen pubertierenden Räubern und Schlägern – von Kriminalern „Intensivtäter“ genannt – überwiegend um junge Männer mit ausländischen Wurzeln („Migrationshintergrund“) handelt, bringt zusätzlichen Zunder in die Debatte.

Hessens Ministerpräsident Roland Koch war einer der Ersten, der dies für sich zu nutzen verstand. Der CDU-Landeschef, der laut Umfragen um seine absolute Mehrheit bangen muss, glaubt, endlich ein hochemotionales Thema für die Landtagswahl am 27. Januar gefunden zu haben. Längst rieten ihm seine Spindoktoren, mit dem Komplex Innere Sicherheit in die heiße Wahlkampfphase zu starten. Das Video vom Münchner U-Bahn-Überfall, so gibt der Politprofi Koch unumwunden zu, passte ins Konzept. „Ich verhehle nicht, dass ich mich freue, dass das Thema eine solch hohe Aktualität erhalten hat.“

In sein „Aktionsprogramm“ gegen Jugendgewalt packte Koch denn auch einige Forderungen, die für viele Multikulti-Bewegte auf Seiten der Opposition pure Provokation bedeuten. Koch will schwer kriminelle Jugendliche schneller abschieben, die Sicherungsverwahrung ausweiten, die Höchstgrenze bei Jugendstrafen auf 15 Jahre anheben, bei 18- bis 21-jährigen Verbrechern im Regelfall das Erwachsenenstrafrecht anwenden und einen „Warnschussarrest“ einführen. Der hessische Ministerpräsident sieht sich als „Sprecher einer schweigenden Mehrheit“. Die Bürger sollten sich nicht allein gelassen fühlen. „Zum Verständnis gehört auch Härte“, so der MP.

Dass die Integration in vielen Fällen gescheitert sei, führt der Christdemokrat auf multikulturelle Illusionen der 80er- und 90er-Jahre zurück. „Ich bin damals als Zwangsgermanisierer beschimpft worden“, erinnert er sich, „nur weil ich verpflichtende Sprachkurse für diejenigen Jungen und Mädchen forderte, die vor der Einschulung kein Deutsch konnten.“

Die hessische SPD schäumt. Koch betreibe – wie 1999 mit seiner Unterschriftenaktion gegen die doppelte Staatsbürgerschaft – wieder mit Ausländerfeindlichkeit Wahlkampf, schimpfen die Genossen. SPD-Herausforderin Andrea Ypsilanti kommentiert die „Methode Koch“ betont gelassen. Vielleicht ein wenig zu gelassen. Ihr innerparteilicher Konkurrent Jürgen Walter, der bei einem Wahlsieg der Genossen Innenminister werden soll, fürchtet durchaus einen Mobilisierungsschub bei den Konservativen: „Kann Koch mit dem Thema Stimmung machen, kriegen wir Probleme.“

Möglicherweise ist dies dem hessischen Regierungschef schon gelungen. Dirk Metz jedenfalls, die rechte und linke Hand von Roland Koch in Sachen Öffentlichkeitsarbeit, erklärt: „Wir werden mit Mails, Faxen und Briefen überflutet. 1000 waren es bis Freitagabend und 95 Prozent davon zustimmend. Es sind bedrückende Briefe darunter, in denen Menschen schildern, wie sie Opfer von jugendlichen Gewalttätern wurden.“ Die Kampagne zünde, versichert der umtriebige Sprecher der hessischen Landesregierung. Die Menschen bäten Koch inständig: „Bleiben Sie hart.“

Hart wohl auch gegenüber einigen mächtigen Bedenkenträgern innerhalb der eigenen Partei, die der hessische Trommelwirbel zunächst verschreckte. Zu diesen gehörte am vergangenen Donnerstag ausgerechnet Wolfgang Schäuble. Strafrechtliche Änderungen stünden nicht im Vordergrund, befand der Bundesinnenminister. Er wollte eher Defizite bei der „konsequenten Anwendung“ bestehender Gesetze erkannt haben. Auch betonte Schäuble, zunehmende Gewalt bei Jugendlichen sei kein spezielles Problem ausländischer Täter. Der Ober-Ordnungshüter der Republik hätte ebenso gut sagen können: Ich distanziere mich von Kochs Wortwahl.

CDU-Führungsleute waren baff. Der Innenpolitiker Wolfgang Bosbach irritiert: „Ich weiß nicht, was Schäuble bewogen hat, diese Haltung einzunehmen. Alle Vorschläge für Gesetzesverschärfungen sind seit vielen Jahren Beschlusslage der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.“ Einige konservative Auguren in Berlin mutmaßten sofort, Schäuble werde die Sache bald als „Missverständnis“ abtun. Nachdem Hessens Innenminister Volker Bouffier ein erregtes Telefonat mit dem Berliner Amtskollegen geführt hatte, geschah genau dies. Gegenüber FOCUS erklärte Schäuble, es habe zwischen ihm und Koch „nie Differenzen“ gegeben. Der Maßnahmenkatalog des Hessen innerhalb der Union sei „völlig unstreitig“.

Die Bundeskanzlerin entschied sich zunächst für Merkelsche Diplomatie: dezent von Kochs Tonlage distanzieren, seine Hauptziele aber unterstützen. So wurde dem CDU-Vorstand für die Wiesbadener Klausurtagung am vergangenen Freitag und Samstag ein Paket vorgelegt, das dem Katalog Kochs entspricht (und von dem Schäuble vorab nichts gewusst hatte). Am Freitagabend schließlich forderte auch Merkel den „Warnschussarrest“ und die Einführung von „Erziehungscamps“. Hinter verschlossenen Türen sagte die Kanzlerin über jugendliche Kriminelle, es dürfe nicht sein, dass eine Minderheit der Mehrheit die „Freiheitsrechte“ raube. In Regierungskreisen wird erwartet, dass die SPD, die sich jetzt noch über den Populismus Kochs empört, den Kurs der Kanzlerin und die damit verbundenen Gesetzesänderungen akzeptiert.

Die CDU-Spitze jedenfalls erkennt in der Debatte über junge ausländische Kriminelle (neben der Familienpolitik) das Mobilisierungsthema für die Landtagswahlen schlechthin. Bei der Klausur sprach sich die Parteispitze zwar für eine Kindergelderhöhung 2009 aus und forderte eine grundlegende Einkommensteuerreform. Doch auch Unionsstrategen registrierten, dass Signale des Kalibers „Steuer vereinfachen – demnächst“ kaum begeistern. Ein Parteikongress am 18. Januar in Hamburg, bei dem eigentlich Umweltthemen dominieren sollten, wurde rasch umgetauft: „Starke Familien – starker Staat“.

Manche in der Union fürchten, die Konservativen könnten in die Rolle des Scharfmachers rutschen. So reagiert denn NRW-Integrationsminister Armin Laschet (CDU) verhalten auf die hessischen Signale. „Ich finde es wichtig, Fakten zur Kenntnis zu nehmen und sich die Ursachen genau anzusehen. Das Problem der Jugendkriminalität kann man nicht auf eine ethnische Frage verkürzen.“ Wer keine Perspektive habe, werde leichter kriminell.

„Ich warne vor Verallgemeinerungen – gerade angesichts des Vorfalls in der Münchner U-Bahn“, mahnt Laschet. Die Brutalität des griechischen und türkischen Täters gegen den Pensionär sei untypisch für ihre kulturelle Herkunft. Respekt vor dem Alter werde in diesen Gemeinschaften stärker gepflegt als bei vielen Deutschen. Erziehungscamps nach dem Vorbild in Hessen will Laschet nun aber auch in NRW einführen.

Kochs Diagnose, der ja ausdrücklich über zu viele kriminelle Ausländer geklagt hatte, schließt sich Berlins Innensenator Ehrhart Körting (ein SPD-Mann) an: „Wir haben einen zu hohen Anteil von jugendlichen Straftätern mit Migrationshintergrund. Das sage ich schon lange.“ Der hessische Regierungschef, so Körting gegenüber FOCUS, biete jedoch die „falschen Rezepte“ gegen diesen dramatischen Missstand an. Kochs Forderung nach „Erziehungslagern“ hält der Berliner Senator für zweifelhaft, den Ruf nach einer raschen Ausweisung in vielen Fällen für falsch.

Wenn ein türkischer Täter hier aufgewachsen sei, dann sei neben dessen Eltern auch Deutschland für seine Sozialisierung verantwortlich – aber „nicht der türkische Staat“. Körtings Credo: Wer die „weit überproportionale“ Gewaltbereitschaft ausländischer Jugendlicher wirksam bekämpfen will, der muss an deren Familien heran. Nach Deutschland seien eben insbesondere Einwanderer aus „bildungsfernen Schichten“ gekommen. Bei diesen Familien aus dem „türkischen und arabischen Bereich“ sei Erziehung „automatisch mit Schlägen“ verbunden, ja viel zu oft „darauf beschränkt“. Um hier einen „Mentalitätswechsel“ zu erreichen, müssten diese Kinder frühestmöglich zwar nicht von der Familie entfernt, aber doch „abgeholt“ werden.

Als mitverantwortlich für die Gewaltmisere bei Migranten beschuldigt Körting jene Juristen, die es nach 68 in die deutschen Gerichte geschafft hätten und nun jeden jungen kriminellen Ausländer als „armes Opfer spätkapitalistischer Produktionsweise“ betrachteten. Diesen „Allesverstehern und -verzeihern“ gehe es nur um die „Psyche des Täters“. Die Psyche des Opfers sei „etlichen Richtern scheißegal“. Eigentlich habe der Gesetzgeber festgelegt, dass auch Verbrecher im Alter von 18 Jahren in der Regel als Erwachsene und nur im Ausnahmefall als Jugendliche zu verurteilen seien. Körting: „Einige Richter erhoben die Ausnahme zur Regel. Sie und vor allem die Gutachter behandeln beinahe jeden 18- bis 21-Jährigen, als ob er Klein Doofi wäre.“

Für eine deutlich härtere Justiz plädiert auch Hamburgs Innensenator, der parteilose Udo Nagel. Neben Prävention seien zur Bekämpfung der Jugendkriminalität „Warnarreste und Haftverschärfungen“ notwendig. Zusammen mit Körting hatte Nagel in den vergangenen Monaten Vorschläge für ein Thesenpapier entwickelt, mit dem die Länderinnenminister Bundesjustizministerin Brigitte Zypries – also die in diesem Zusammenhang entscheidende Person – zum Handeln bewegen wollten. Doch die SPD-Kollegen, so Nagel zu FOCUS, würden zögern und bremsen. „Dem Bundestag liegen längst vernünftige Vorschläge vor. Die SPD verhindert aber eine Entscheidung.“

Die Zeit des Zauderns ist für Bayerns Ministerpräsidenten Günther Beckstein (CSU) abgelaufen. Gerade gegenüber „Problemkindern“ dürfe sich der Staat, so der christsoziale Regierungschef, nicht „schwach“ zeigen, sondern müsse durch „hartes Auftreten zur rechten Zeit konsequent Grenzen setzen“. Egal ob Gefängnis, geschlossenes Heim oder Erziehungscamp – kriminelle Jugendliche müssten mit Sanktionen bestraft werden, die sie auch „bitter spüren“. Während Ersttätern etwa auf Zeit das Moped, der Führerschein oder das Handy genommen werden solle, so Beckstein, sei bei jugendlichen Wiederholungstätern durchaus mal ein Wochenende im Gefängnis angebracht – als „Warnschuss“ eben.

Beim Thema Ausweisung pflegt Beckstein, der einst als Innenminister den inzwischen legendären Dauerschläger „Mehmet“ aus dem Land werfen ließ, ohnehin eine deutliche Aussprache. Wer sich nicht integrieren lassen wolle, habe das „Gastrecht bei uns verwirkt“. Die Europäische Union habe für eine Ausweisung „viel zu hohe Hürden“ gelegt. Gerade weil das EU-Recht und der europäische Assoziationsvertrag mit der Türkei der „Realität nicht mehr gerecht“ werde, müsse dringend über „Änderungen“ gesprochen werden. Beckstein: „Die enorm wichtige Freizügigkeit innerhalb der EU und der mit ihr assoziierten Länder darf nur für Menschen gelten, die auch das Recht und die Gesetze ihres jeweiligen Gastlandes achten.“

Gegen eine Ausweisung seines Mandanten will der Münchner Rechtsanwalt Oliver Schmidt freilich mit allen Mitteln kämpfen. Schmidt vertritt einen der beiden U-Bahn-Prügler, den 20-jährigen Türken Serkan A. Über mehrere Zeitungen ließ Schmidt eine Entschuldigung des Täters verbreiten, der inzwischen selbst über sein Verbrechen schockiert sei und das Opfer gar brieflich um Verzeihung bitten wolle – wenn ihm denn die richtigen Worte einfallen würden.

In seiner polizeilichen Vernehmung hatte Serkan A. angegeben, er habe am Tattag Schnaps, Wein und drei Flaschen Augustiner-Bier getrunken. An Fußtritte wollte er sich gar nicht erinnern, und keinesfalls habe er fest zugehauen. Bei seiner Schlaghand, so erzählte Serkan A. nach FOCUS-Informationen, seien doch seit einer Verletzung vor drei Jahren Sehnen und Nerven durchschnitten. Sein Komplize „Spiro“ freilich, der 17-jährige Spiridon L., der habe den alten Mann mehrfach mit Fäusten geschlagen.

Die Taktik des Türken scheint klar: Er erklärt sich zum Spontantäter, der mit dem Gewaltausbruch des Griechen, der ja den furchtbaren letzten Tritt gegen den Kopf des Opfers ausführte, nichts zu tun hat. Tatsächlich hatte Spiridon L. im Polizeiverhör erklärt, er sei es gewesen, der den überfallenen Mann am Ende noch „gekickt“ habe. Der Grieche sagte aber auch aus, Serkan A. habe mit ihm die brutale Attacke abgesprochen. Der Türke habe ihn gefragt, ob er dem Alten noch eine mit-geben solle. Er, Spiridon, habe daraufhin ja gesagt. Eine wesentliche Aussage. Die Richter könnten sie als Absprache zu einer gemeinsamen und vorsätzlichen Tat werten. Und als Begründung für harte Urteile.

„Es geht um den Vollzug bestehenden Rechts und um die Nutzung aller möglichen Instrumente“ Wolfgang Schäuble, Bundesinnenminister

„Die SPD verhindert eine Entscheidung. Es wird zu viel geredet und zu wenig getan“ Udo Nagel, Hamburger Innensenator

Draufhauen und vergewaltigen

Extremdelikte

Während Morde bei Jugendlichen und Heranwachsenden stark zurückgingen, stiegen Sexualverbrechen über Jahre hinweg an

Massenproblem

Körperverletzungsdelikte nehmen seit Jahren kontinuierlich zu. Raubstraftaten halten sich auf hohem Niveau

Warum junge Männer zuschlagen

Jugendliche gehörten häufiger zur Gruppe der Gewalttäter, wenn sie

Der Verbrecher und das lasche Gesetz

Der Fall des Kriminellen Amine A. offenbart Lücken im Ausländerrecht. Nach seiner Abschiebung reiste er wieder ein und wurde erneut straffällig.

Drama nach Rückkehr

Nach einer Serie von Verbrechen wurde Amine A. abgeschoben. Weil der Algerier die Vaterschaft für das Kind einer Deutschen übernahm, kehrte er 2006 legal zurück. Im Dezember 2007 fuhr der 27-Jährige einem Rentner beide Beine ab und beging Fahrerflucht.

Karriere eines Verbrechers

Schon als Kind begann der Algerier seine kriminelle Laufbahn: versuchter Raub, Hehlerei, gefährliche Körperverletzung in Tateinheit mit Raub. Meist kam er mit richterlicher Ermahnung oder Sozialdienst davon. Wegen schwerer räuberischer Erpressung wurde Amine A. 2002 zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt, wegen gemeinschaftlichen Raubes kurz darauf zu zwei Jahren und sechs Monaten. 2003 schoben ihn die Behörden ab.

Amt hilflos

2004 erkannte Amine A. dann die Vaterschaft für das Kind einer Deutschen an. Das Auswärtige Amt (AA) stemmte sich gegen die Rückkehr des Straftäters: „Der staatliche Schutzauftrag“ nach Artikel 6 des Grundgesetzes (Schutz von Ehe und Familie) begründe kein Recht auf ein Visum. Das AA bewertete das „öffentliche Interesse an der Fernhaltung“ höher. Das Verwaltungsgericht Berlin sah das anders, Amine A. durfte zurück. Für Wolfgang Bosbach (CDU) ein Skandal. Der Schutz von Ehe und Familie dürfe nicht dazu führen, „dass Gewohnheitsverbrecher über Artikel 6 des Grundgesetzes das Ausländerrecht aushebeln können“. Wenn es so leicht sei, eine Abschiebung rückgängig zu machen, „dann ist mit unserem Recht etwas nicht in Ordnung“.

Neuer Versuch

Die Ausländerbehörde prüft, ob der 27-Jährige erneut abgeschoben werden kann. Zudem läuft ein Verfahren wegen Sozialbetrugs: Bei dem Unfall fuhr Amine A. einen Mercedes CL 500. Er und seine Lebensgefährtin beziehen Hartz IV.
https://www.focus.de/politik/deutschland/jugendgewalt/verbrechen-offensive-gegen-schlaeger_aid_232594.html

Re: Lieber den Boxsack prügeln als den Mitschüler

Boxen gegen Gewalt

Von Steffen Dobbert | © ZEIT online 30.1.2008 - 12:09 Uhr

* Schlagworte:
* Jugendkriminalität
* Boxen
* Sport

Roland Kochs Wahlkampfgetöse könnte in Hamburg einem klammen Schulprojekt helfen. Die Kinder bekommen Unterricht im Faustkampf
Boxtraining in der Schule.

Boxtraining in der Schule.

© BOX-OUT

Edas Boxhandschuhe sind beinahe so groß wie ihr Lockenkopf. Sie grinst ihre Freundin an, zuckt kurz mit dem runden Oberkörper und schlägt zu. „Okay, kurz ausruhen,“ schreit Christian Görisch. Eda atmet durch. 20 Mädchen und Jungs tänzeln in der Gymnastikhalle der Hamburger Ganztagsschule am Slomanstieg über den Fußboden. In der Mitte steht ein blauer Boxring, darum herum hängen vier Sandsäcke. Auf das Kommando von Christian Görisch schlagen die Zwölfjährigen zu.

Görisch ist Sportwissenschaftler, ehemaliger Hamburger Boxmeister und Boxlehrer. Er hat eine leicht geknickte Nase, seine Brust ist muskelbepackt. „Box-Out“, heißt das Schul-Projekt, weshalb er an diesem Mittwochnachmittag in der Schule im Hamburger Stadtteil Veddel steht und boxt. Wenn man ihn nach „Box-Out“ fragt, redet er so schnell, dass er fast jeden Anfangsbuchstaben seiner Worte verschluckt.

Vereinfacht ausgedrückt, boxt Görisch mit den Kindern, damit sie weniger Gewalt ausüben. Kampfsport als Mittel zur Gewaltprävention – das klingt zunächst widersprüchlich, ist jedoch eine erfolgreiche Maßnahme zur Gewaltprävention unter Jugendlichen. Kämpfen ist ein Urbedürfnis des Menschen, aber gerade in den sozial schwachen Stadtteilen, wie zum Beispiel Veddel, treiben viele Jugendliche gar keinen Sport, haben also keine Möglichkeit, sich abzureagieren.

Irgendwann habe Görisch seinen neunjährigen Sohn in die Schule begleitet: „Die haben alle Playstation, Gameboy, 30 TV-Kanäle und viele Übergewicht“, habe er beobachtet. „Aber an Sport und Selbstwertgefühl mangelt es.“ Statt sich nur um seinen Sohn zu kümmern, wollte Görisch etwas für alle Jugendlichen tun. Er entwickelte das Konzept für „Box-Out“ und besprach es mit Professoren an verschiedenen Universitäten. Dann stellte er es dem Hamburger Senat vor, suchte Sponsoren und klopfte bei Hamburger Schulen an.
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Seit August 2007 trainiert er wöchentlich in vier Schulen die Sechst- und Siebentklässler im Wahlpflichtunterricht. Wenn der 37-Jährige mit den Kindern kämpft, sieht er aus wie Ende 20. Der Boxring in der Gymnastikhalle ist sein eigener. Von den insgesamt 60 Schülern des Projektes kennt er so gut wie jeden mit Vornamen. Er sagt, er sei Idealist. Seine Geschichte klingt so selbstlos, dass man sie schwer glauben möchte. Die Direktorin an der Schule im Stadtteil Veddel befürchtete erst, Görisch sei ein Selbstdarsteller, dann nahm sie beim Schnupperboxen für Lehrer teil; jetzt glaubt sie, das Projekt sei seine „Herzensangelegenheit“. Franz Müntefering wünschte sich nach seinem Rücktritt als Minister mehr Menschen, „die persönliche Zeit und Geld einsetzen, um die Gesellschaft menschlicher zu machen“. Görisch muss so einer sein.

Die Lehrerin, die in der Schule in Veddel die Wahlkurse betreut, schaut heute für einen Augenblick zu, wie die Kinder auf die Sandsäcke einschlagen. Sie sagt, was Görisch da aufziehe, sei keine heiße Luft. Vor Kurzem habe er zusätzlich zum Unterricht alle seine Schüler zum WM-Kampf der Box-Weltmeisterin Susianna Kentikian eingeladen. Erst nachts um halb zwei seien sie wieder zurück gewesen. Aber für die Kinder sei es eine super Erfahrung gewesen. Viele Eltern würden ihren Kindern so eine Veranstaltung nie ermöglichen können.

Die Lehrerin deutet auf einen größeren, dicken Jungen der neben Eda mit dem Kopf zwischen den Schultern um sich boxt. Heute Vormittag habe er einen Stuhl durchs Klassenzimmer geschmissen. Zur Strafe wollte sie ihn vom Boxunterricht ausschließen, aber dann konnte sie ihm das doch nicht antun. Im Unterricht sei er oft abwesend, „nur beim Boxtraining – da kommt er richtig aus sich heraus.“

Dem Stadtteil Veddel haftet der Ruf eines sozialen Brennpunktes an. Der Immigranten-Anteil ist hoch. In Edas Klasse haben viele nur ein Elternteil. Ihre Lehrerin sagt, die Schule sei oft in der Presse. Gerade durch die Diskussion über Jugendkriminalität, die Roland Koch ausgelöst hat, schauten jetzt wieder viele Medienvertreter auf das Viertel.

Christian Görisch hat für Roland Kochs Argumente wenig Verständnis. In seinen Boxkursen geht es ihm darum, mit den Kindern zu arbeiten, ihnen Werte und Regeln zu vermitteln. Wegsperren sei keine Lösung. Wieso gerade jetzt alle auf die vernachlässigten Jugendlichen schauen, kann er nicht nachvollziehen.

Doch etwas sarkastisch, könnte man sagen: Koch sei Dank. Was Hessens Ministerpräsident im Wahlkampfgetöse über jugendliche Kriminelle losgetreten hat, war das Beste, was Görischs Projekt passieren konnte. Fast alle Hamburger Radiosender und Tageszeitungen, überregionale Online- und Printmedien haben bereits berichtet. Für das ZDF arbeitet ein Team gerade an einer kleinen Reportagereihe über Eda und ihre Schulkameraden. Görisch kommt seit Wochen nicht mehr hinterher, die Veröffentlichungen auf der Website von „Box-Out“ zu präsentieren.

Dabei ist die Öffentlichkeit vielleicht seine größte Chance. Obwohl Kinder und Lehrer begeistert sind, trotz der erwarteten guten Ergebnisse der wissenschaftlichen Auswertung, trotz seines ganzen Engagements – wie es mit dem Schulprojekt nach dem ersten halben Jahr weitergeht, ist offen.

Die Direktorin der Ganztagsschule in Veddel sagt, durch Kochs Äußerungen würden jetzt auch positive Beispiele thematisiert. Aber von dem Geld, was Görisch von ihrer Schule bekomme, kann er nicht leben. Er selbst findet, es sei müßig zu betteln. Von der Behörde für Bildung und Sport hat er einmalig 2000 Euro für das Projekt und 3000 Euro einmalig für dessen Evaluation bekommen. Nach derzeitigem Stand werde es keine weiteren Unterstützung der Stadt geben. Als er vor dem geplanten Ausflug zum WM-Kampf von Susianna Kentikian in der Behörde anrief, um sie über die Fahrt der Schüler zu informieren, hatte er das Gefühl, die Mitarbeiter lachten ihn aus.

Im Prinzip macht Görisch in der Gymnastikhalle nichts anderes als die Studentin, die sich gerade zwei Räume weiter um andere Sechst- und Siebendklässler kümmert. Er boxt, sie töpfert. Aber beide leiten einen Ganztagsschulkurs. Beide haben kein abgeschlossenes Pädagogik-Studium. Und beiden kann die Ganztagsschule für die zwei Unterrichtsstunden nur etwa 31 Euro Honorar zahlen.

Die Kurse gehören zum Pflichtprogramm der Kinder. Sie müssen sich zwischen Töpfern, Segeln, Musizieren, Schach, Fußball oder eben Boxen entscheiden. Görisch kümmert sich im Box-Kurs um 20 Kinder, und die Warteliste ist sehr lang. Die töpfernde Studentin betreut etwa zehn Schüler. Einmal haben ihre Kinder so lange gebettelt, bis sie dem Boxkurs zugucken durften.

Eda quält sich auf dem Hallenboden. Im Rhythmus von Görischs Stimme machen alle zum Abschluss drei mal zwölf Liegestützen. Keiner gibt auf. Eda und ihre Freundinnen sagen, der richtige Sportunterricht sei nicht so gut. Da machen sie immer nur „Hopsala-Lauf und solche Dinge“. Die Jungs schwänzen die Sportstunden deshalb oft.

Nach dem Unterricht baut Görisch den Ring ab, sammelt die Boxhandschuhe ein und spricht mit ein paar Journalisten. Er redet schnell, sagt, er müsse sich beeilen. In einer Schule in Wilhelmsburg – noch so ein Problemstadtteil – startet um halb fünf der nächste Kurs. Er sei dort Vorbild. Disziplin und Pünktlichkeit zählen besonders. Er schafft es trotzdem nicht. Als er zehn nach halb fünf mit den Boxhandschuhen endlich vor der Schule in Wilhelmsburg steht, reißt ein kleines Mädchen das Fenster auf. „Christian, wo bleibst du?“, schreit sie. „Alle sind doch schon oben. Alle sind brav.“
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Box-Out – Das Schulprojekt Boxen in Hamburg »

https://www.zeit.de/online/2008/04/boxen-jugendgewalt?page=all

Re: Lieber den Boxsack prügeln als den Mitschüler

SCHULPROJEKT BOXEN KONTAKT PRESSE SPONSOREN

Boxen ist in.
Nicht zuletzt durch Protagonisten wie Henry Maske oder Regina Halmich, große Event-Berichterstattungen in den deutschen Sendern, aber auch durch Entertainment-Box-Formate mit Comedian Stefan Raab.

Auch Kinder und Jugendliche kommen an diesem Thema nicht vorbei. Und das ist sogar aus verhaltensbiologischer Sicht nachvollziehbar: Kämpfen ist ein Urbedürfnis des Menschen und findet in veränderter, ausgeglichener Form im täglichen Leben eines jeden Menschen statt. Mit dem großen Vorteil, dass diese Sportart ebenso
vorbeugend wie regulierend wirkt, wenn bei Kindern und Jugendlichen durch Erziehungsdefizite und mangelnde Freizeitbeschäftigungen Unausgeglichenheit oder ein Anstieg des individuellen Aggressionspotenzials festgestellt wird.



Die Idee ist es ein Schulprojekt Boxen in Hamburg zu etablieren, mit dem der zunehmenden Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen aktiv entgegen getreten wird. Alle Hamburger Schüler der 6. und 7. Klasse erhalten die Möglichkeit, einen Neigungskurs Boxen für ein Schulhalbjahr zu belegen, um ihre Verhaltens- und Persönlichkeitsentwicklung positiv zu beeinflussen.

Schüler der 6. und 7. Klasse bei der Pressepräsentation von BOX-OUT in Hamburg. 2007

„Ring frei für Spaß!“
- Das Schulprojekt Boxen in Hamburg -



Aktualisiert am 5.3.2008

Ein Projekt in Zusammenarbeit mit dem Sportamt der Behörde für Bildung und Sport, der Beratungsstelle Gewaltprävention des Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung und dem Hamburger Amateur-Box-Verband HABV.

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https://www.box-out.de/2008/

Re: Lieber den Boxsack prügeln als den Mitschüler

Boxen gegen Kriminalität

In einem Boxcamp in Nordhessen trainiert Ex-Boxer Lothar Kannenberg mit jugendlichen Straftätern für ein bürgerliches Leben. Ein Video […] »
https://www.zeit.de/video/player?videoID=20080103926fba

Re: Lieber den Boxsack prügeln als den Mitschüler

Jugendgewalt Der Verein "Gewalt-frei" gibt Jugendlichen eine Perspektive
Boxen lernen - statt zu prügeln
Ehrenamtliche Helfer haben ein Netzwerk aufgebaut, an dem sich Polizei, Schulen, Diakonie und Verwaltung beteiligen.

Von Manfred Augener

Kreis Pinneberg -

So mancher hat erst in den vergangenen Wochen aufgrund des Wahlkampfgetöses in Hessen das Thema Jugendgewalt als gesellschaftliches Problem ausgemacht. In Pinneberg gibt es bereits seit 2003 den Verein "Gewalt-frei", in dem sich Bürger ehrenamtlich dafür engagieren, der zunehmenden Gewaltbereitschaft von Jugendlichen entgegenzuwirken.

Bitte hier klicken!

Was damals als Vision von sechs Pinnebergern um den Vorsitzenden Kurt Schoula begann, hat sich mittlerweile zu einem Netzwerk entwickelt, in dem derzeit 75 Jugendliche betreut werden. Dabei handelt es sich vor allem um junge Menschen mit Migrationshintergrund, die ihre Freizeit sinnvoll verbringen sollen, unter anderem mit dem Amateurboxen. Auch jugendliche Straftäter werden an den Sport herangeführt, um Aggressionen ab- und Selbstbewusstsein aufzubauen.

Zu dem Netzwerk, das "Gewalt-frei" mit Hilfe von Politik und Stadtverwaltung aufgebaut hat, gehören Jugendgerichtshilfe, Bewährungshilfe, Polizei, Schulen, Diakonie, Türkischer Elternverein und andere. Schoula: "Wir arbeiten parteiübergreifend." Die Stadt Pinneberg hat Büroräume im Rathaus zu Verfügung gestellt, auch der Kreis unterstützt die Jugendarbeit. "Gewalt-frei" ist als Projekt im Kriminalpräventiven Rat der Stadt verankert, Straßensozialarbeit in Kooperation mit der Diakonie wird regelmäßig wahrgenommen.

Der Sport steht an zentraler Stelle in der Vereinsarbeit. Schoula, selbst aktiver Kraftsportler: "Gewalt und Aggression sind häufig Ausdruck mangelnder Beachtung der Probleme junger Menschen." Daher arbeitet "Gewalt-frei" unter anderem mit dem Boxverband Schleswig-Holstein zusammen. Der Verein kann die Sporthalle der ehemaligen Kaserne in Pinneberg nutzen. Derzeit sind dort 34 männliche und weibliche Mitglieder aktiv. Anfänger und straffällig gewordene Jugendliche trainieren in einer Gruppe, die Fortgeschrittenen und wettkampfbereiten Jugendlichen in einer weiteren Gruppe.

Die Beratung hat ebenfalls hohen Stellenwert. Das Beratungsbüro im Rathaus ist dienstags von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Dort finden Jugendliche Unterstützung etwa in Fragen zur Jugendgerichts- und Bewährungshilfe, bei der Suche nach Arbeits- und Ausbildungplätzen sowie bei Wohnungssuche und Umgang mit Ämtern. "Gewalt-frei" vermittelt Projekte, wo Jugendliche gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten: Stadt- und Dorffeste, Osterfeuer oder Jahrmarkt. Auch die Wasserskianlage und die Eisbahn der Wirtschaftsgemeinschaft waren Einsatzorte für die Ableistung von Arbeitsstunden. Bei der Ehrenamtsmesse am 10. Februar ist "Gewalt-frei" auch im Einsatz - als Helfer beim Auf- und Abbau.

# SERIE Die Pinneberger Zeitung berichtet in lockerer Folge über Organisationen im Kreis Pinneberg, die sich ehrenamtlich engagieren.

erschienen am 4. Februar 2008

https://www.abendblatt.de/daten/2008/02/04/843909.html

Re: Lieber den Boxsack prügeln als den Mitschüler

zibb vom 20.2.2008
Reportage
Boxen gegen Gewalt


In Berlin-Hellersdorf gibt es einen Verein, der sich "Boxen statt Gewalt" nennt. Wir stellen Ihnen das engagierte Projekt vor und befragen die beiden Initiatoren Harald Lange und Bernd Iszdonat.

Die Initiatoren wissen aus eigenen sportlichen Karrieren, dass Boxen ein idealer Sport ist, um Aggressionen abzubauen, Selbstbeherrschung zu trainieren und die Achtung vor dem Gegenüber zu lernen. In der Sporthalle in Hellersdorf treffen sich jeden Mittwoch Jugendliche, von denen jeder auf Grund der sozialen Herkunft und des Umgangs das Zeug zum Schläger hat.

Das Projekt ist eine Alternative zu Kriminalität und Gewalt - und für einige der Jungs hat sich das Training schon bis ins Private hinein ausgewirkt: Sie haben Lehrstellen bekommen und manche schon Familien gegründet.

Weil der Weg durchaus auch in eine Profiboxkarriere führen kann, wirft auch Erfolgstrainer Uli Wegner ein Auge auf den Verein und unterstützt ihn finanziell.

Beitrag von Björn Tritschler
https://www.rbb-online.de/_/zibb/beitrag_jsp/key=7083859.html

Boxen gegen Gewalt

Re: Lieber den Boxsack prügeln als den Mitschüler

Es ist besser, solche böse Energie natürlich in das Studium umzuleiten. Und Albanisch scheint mir interessant und schön. Aber die Tatsache, dass Englisch viel praktischer ist, ist eine unbestreitbare Tatsache. Ich habe gerade einen interessanten Artikel zu diesem Thema https://www.berliner-zeitung.de/lernen-arbeiten/in-berlin-spricht-man-englisch-li.2148 gefunden. Ich rate Ihnen zu lesen, wenn Sie Zweifel an der Wahl einer Fremdsprache zum Lernen haben. Ohne Englisch ist es heutzutage schwer, einen guten Job zu finden.

Re: Lieber den Boxsack prügeln als den Mitschüler

Ich würde, an Ihrer Stelle, einfach anfangen, eine Fremdsprache zu lernen. Englisch muss nur gelernt werden:) Es ist eigentlich nicht so schwierig in unserer Zeit. Jetzt gibt es viele Online-Schulen, die helfen, die Sprache zu lernen, ohne das Haus zu verlassen. Und im Allgemeinen ist es nicht so schwierig, einen guten Lehrer zu treffen, mit dem das Erlernen einer Fremdsprache nicht nur produktiv, sondern auch sehr interessant sein wird. Das sage ich Ihnen aus meiner Erfahrung.

Re: Lieber den Boxsack prügeln als den Mitschüler

Wie lerne ich die Sprache?

Re: Lieber den Boxsack prügeln als den Mitschüler

Guten Abend oder Nachmittag. Ich verstehe nicht ganz, wie man eine Sprache aus einem Video lernen kann? Vielleicht weiß ich etwas nicht. Stellen Sie Fragen, wenn Sie etwas nicht verstehen. Nun, zumindest ist es nicht mein Stil. Ich arbeite online unter https://livexp.com/de und das ist eine ganz andere Sache. Und es können Fragen gestellt werden und das Ergebnis ist am Ende ein anderes.