Auswandern -     Südsee und Karibik

St.Maarten/St.Martin

St.Maarten/St.Martin

Hallo an alle Karibik-liebhaber,
ich habe nun so einiges gelesen was hier ueber die Insel St. Maarten geschrieben wurde und moechte als langjaehriger St. Maarten Bewohner Stellung nehmen.
Erstmal - alles hat seine Sonnen-und Schattenseiten, wobei in St. Maarten die Schattenseiten die Oberhand gewinnen.
Zum einwandern - auf der Niederlaendisch-Antillian Seite ist es fast unmoeglich geworden eine legale Einwanderung zu erreichen. Einzige Moeglichkeit ist - man will hier als Rentner mit viel Geld sich zur Ruhe setzen. Hier besteht die Moeglichkeit ebend alle 3 Monate mal eine andere Insel zu besuchen um ein neues Immigrationpaper zu bekommen, das dann fuer die naechsten 3 Monate gilt.

Arbeitssuche:
auf der Dutch Site, ist wirklich fast unmoeglich, wenn dann nur illegal zu wirklich ueblen Loehnen, von denen niemand wirklich leben kann. Ein selbstaendiges Business zu eroeffnen, ist seit den neuesten Gesetzen fast nicht moeglich.
Neues Business muss folgendes vorweisen:
1) Business muss mind. $280.000USD Umsatz vorweisen.
2) General Manager muss mind. eine Gehalt con $3.800USD bekommen.
3) General Manager muss ein Haus kaufen (mind. $280.000USD) oder ein Haus mieten fuer mind. $2.000USD monatlich.
und noch einige Unmoeglichkeiten mehr.
Um eine Businesslizenz zu bekommen wartest du mind. 1 Jahr, 18 Monate eher die Regel.
Arbeitserlaubnis, wenn ueberhaupt, muss jedes Jahr erneuert werden und du weisst nie - ob es klappt.

Franzoesische Seite:
ist es relative einfach moeglich legal einzuwandern. Man braucht nur einen Mietvertrag und einen JOB. Hier gehts nun los, es ist wirklich extrem schwer auf der franzoesischen Seite einen Job zu finden. Ohne perfekte franzoesisch Kenntnisse gar unmoeglich, obwohl die legale landessprache Englisch ist.
Zu erwaehnen waere auch der wirklich vorhandene "Rassismus" bei den hier ansaessigen Franzosen, die meisten stellen nur Franzosen ein.

Infrastruktur:
du als Eurpoaer musst dich auf so manchen Nachteil vorbereiten. Stromausfaelle sind die Regel, manchmal stundenlang. Internet - wenn du denkst dein altes Telefonmodem war langsam, dann geniesse unser Coconut Internet. Auch hier oefters lange Ausfaelle. Telefon, nun es gibt Cellphones - allerdings in einer extrem schlechten Qualitaet (Rauschen, Knistern, Abrueche der Telefonate etc.).

Verkehr:
ist nun ein Hauptuebel auf der Insel. In der Hauptsaison (Dez - April) treiben sich 1.5 Mill. Touristen hier rum. Wenn du beruecksichtigst das die hier wohnenden, die Autos haben, schon in der Nebensaison ueble Staus produzieren, dann kannst dir denken was los ist, wenn in der Hauptsaison noch tausende von Mietwagen dazukommen. Normalfall - du brauchst fuer 10km gute 1 1/2 Stunden. Ich selber bin viel im Auto unterwegs und muss immer eine Stunde plus einkalkulieren wenn ich zu einem Termin muss und puenktlich sein will.

Tourismus:
verursacht hier ein Bauwut sondersgleichen. Die Dutchsite verkommt immer mehr zu einer Art Rimini. Ein Hotel nach dem anderen - ebend Billigtourismus in Reinkultur. Ueberall wird gebaut, sehr oft ohne Infrastrukturplaene und ohne Nachzudenken. Billigbau bester Sorte, hauptsache viele Hotelzimmer.

Kriminalitaet:
seit 5 Jahren gewaltig steigend. Raubuerfaelle, Diebstaehle, Autoklau (z.b. private Erfahrung: Mir wurden allein dieses Jahr 3 x ein Reifen, 2 Nebelscheinwerfer, 1 Aussenspiegel, und kompl. die Scheibenwischer geklaut - das ist jedes Jahr so), Gangshootings, Drogen, Vergewaltigungen - sind solangsam an der Tagesordnung. Polizei ist nicht Willens oder auch nicht in der Lage dem entgegenzutreten. Beispiel: Bei dir wurde eingebrochen, du rufst die Polizei - wenn ueberhaupt einer abnimmt, dann kommen die, wenn ueberhaupt, am naechsten Tag. Zucken mit der Schulter, schaun sich um und gehen wieder. Dein Auto wird geklaut, wird ueberhaupt nicht mehr zur Kenntnis genommen.
Ein Polizeiofficer verdient hier $1.200USD. Miete in einfachsten Verhaeltnissen ist mind. $400USD, aber das ist nun allerunterste Schublade. Lebenshaltungskosten sind hoeher als in Europa. Somit wird der Korruption alle Tueren geoeffnet.

Lebenshaltungskosten:
Um hier einigermassen gut zu leben, d.h. um etwa einen europaeischen mindeststandart zu halten, brauchst du fuer Miete mind. $1.500USD monatlich (2 Bedroom, Livingroom, Kitchen. Essen da geht fast nix unter $400USD die Woche eher mehr. Strom und Wasser kannst du mit extra $200USD rechnen. Telefon ist sehr teuer, bei normaler benutzung ca. $100 im Monat. Internet langsamste Leitung $63USD im Monat.
Kommen da noch Kinder dazu (pro Kid ca. $600 pro Monat Schulkosten) und Krankenversicherung dazu, landest du ganz schnell bei ca. $5.000USD was du verdienen solltest hier.
Und dann ist noch nix gespart.

Loehne:
als Angestellter sind die Loehne von absoluter Ausbeutung gepraegt. Es gibt einige wenige Moeglichkeiten gutes Geld zu verdienen, aber um diese schlagen sich sehr viele. Es gibt hier viele Menschen die mit einem Stundenlohn von $5.- und weniger sich rumschlagen. Arbeitsgesetze werden eh meistens mit den Fuessen getreten und fressen oder gefressen werden ist angesagt.
Die einzigen Moeglichkeiten wo du Geld machen kannst sind - Baubranche, Tourismus, Real estate. Dazu muss man allerdings erwaehnen, es hilft einem keiner. Du musst dich da eisern, mit sehr langem Atem durchsetzen.

Warum ich hier lebe:
Gute Frage, nun es ist trotzallem sehr schoen hier, man lernt viele liebe Menschen und ich habe eine Nische gefunden. Dazu waren aber lange Jahre mit vielen Entbehrungen noetig. Musste lernen mit eisernen Ellenbogen zu kaempfen und nie aufgeben. Oft habe ich daran gedacht alles hinzuschmeissen, aber last not least hat der Wille sich durchgesetzt.

Wollte mal ein paar Insiderinformationen weitergeben, ohne eine Brochure fuer $30 per Internet zu verkaufen.



Re: St.Maarten/St.Martin

Und das ehrt Dich wirklich, lieber "Pirat". Genau so sollte es sein hier im Forum und ich als Moderator freue mich sehr darüber.

Nochmals Danke und alles Beste. Hoffen wir also, dass Dein Beitrag allen die Augen öffnet, die sich da falsche Hoffnungen machen oder solche verkauft kriegen ...

Mit herzlichen Grüßen von Insel zu Insel

Werner



Re: St.Maarten/St.Martin


Dank dir, dachte eh ein Auswandererforum sollte ausfuehrlich berichten. D.h. wenn einer diesen Schritt tun will, muss er soviel wie moeglich im Vorfeld wissen.
Die Zeiten der Hippieauswanderung ist "leider" vorbei. Man endet recht schnell am Strand unter ner Palme, was sich fuer manche moeglicherweise romantisch anhoert, aber extrem ekelhaft enden kann.
Man sollte eines im Vorfeld sich klar machen, auf keinem Platz dieser Erde wartet man auf den Auswanderer. Der Auswanderer nimmt Arbeitsplaetze weg und ist im allgemeinen nicht so gerne gesehen. Du musst dich da durchsetzen und beweisen das du was einbringst in das Land.
Gruss der Pirat

Re: St.Maarten/St.Martin

Hallo,

schoen das mal jemand etwas in dieser Rubrik schreibt.
Nach meinem Posting vor einiger Zeit hatte ich den Eindruck das kein richtiges Interesse an Information besteht.

Ich selber wuerde gerne sehr viel mehr von den Erfahrungen anderer in dieser Region lesen.
Also liebe Leute bitte mehr.




Sonnige Gruesse
sendet Josi
die Ziegenfrau von Tobago
man nennt mich hier 'the white lady with the goats"

Re: St.Maarten/St.Martin

Hallo!
Ein paar Anmerkungen zu 'Pirat' und den Ausfuehrungen ueber St. Martin:
Es sind sicherlich die kritischen Punkte des Insellebens angesprochen, die man bei der Auswanderung beruecksichtigen muss. Tendenziell ist die Sichtweise eher zu kritisch und immer der 'worst case' betrachtet. Beispielsweise arbeitet niemand auf der franz. Seite fuer $5/Stunde. Es sind auch jobs zu finden, schwerpunktmaessig in der Gastronomie und mit wenig Franz.-Kenntnissen. Es ist sicherlich besser mit einer Geschaeftsidee zu kommen und ein business aufzubauen. Startkapital ist dafuer erforderlich. Der franz. Staat foerdert dies sogar mit einem Programm aehnlich der dt. Ich-AG. Dieses Programm steht allen EU-Buergern offen.

Wir sind 4 Jahre hier und noch nie ist das Auto beschaedigt oder gestohlen worden. Die Kriminalitaet ist hoch, jedoch niedriger als auf vielen anderen Inseln, z.B. Trinidad, Jamaika. Man muss sich bewusst werden, dass viel Auswandererziele aehnliche Sozialstrukturen und damit auch Kriminalitaetsprobleme haben. Das gilt fuer Sued- und Mittelamerika und Afrika.

Der Verkehr ist gewiss ein grosser Frust, wenn auch nicht 1 1/2 Std. fuer 10 km, aber schon sehr laestig zu manchen Tageszeiten.

Aber die Insel hat auch angenehme Seiten, wie das makellose Wetter, gute Luft, Meer und so muss man abwaegen, was einem wichtig ist.

Jedem der von einer Insel traeumt moechte ich allerdings auch an den Aspekt 'Inselkoller' erinnern. Nach ein paar Jahren gehen die meisten auch wieder weg. Nur wenige Menschen koennen dauerhaft mit diesem Kriterium leben!

Re: St.Maarten/St.Martin

Vielen Dank für die Informationen, Pirat und Valentin.

Re: St.Maarten/St.Martin

Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Und er gilt für alle kleinen Inselländer, nicht nur für St.Martin. Sehr viele auch der eigentlich erfolgreichen Einwanderer gehen nach ein paar Jahren wieder weg, weil es ihnen einfach zu eng wird. Insellage ist ein zusätzliches Erschwernis, aber kein Vorteil.



Re: St.Maarten/St.Martin

Das ist aber doch auch nicht schlimm. Dann hat man zumindest die Erfahrung gemacht und möglicherweise eine schöne Zeit.

Einen Inselkoller kann man auch in D auf der Insel Helgoland bekommen....

Re: St.Maarten/St.Martin

Na ja, kommt drauf an. Wenn Du beispielsweise Deine ganzen Ersparnisse in sowas reingesteckt hast (und das machen viele), dann siehst du das vielleicht ein bisschen anders ... Klar, man ist um eine Erfahrung reicher, aber ansonsten doch eher deutlich ärmer.

Stimmt - Insel ist Insel. Witzigerweise scheinen aber viele Leute zu meinen, dass tropische Inseln irgendwie keinen Koller machen, irgendwie größer sind, weil da immer die Sonne scheint. Du erwähnst Helgoland. Ist Dir wirklich bewusst, dass St.Martin gerade nur 9mal so groß ist wie Helgoland. Aber statt 1.650 satte 85.000 Einwohner hat? 50 mal so viele ...

Ich denke, dass Du das nicht wusstest. Aber sowas muss man sich vorher klarmachen! St.Martin ist so groß wie Borkum. Also fährt man mal nach Borkum und guckt sich um. 80.000 Einwohner mehr als in Borkum (5.500 Einwohner), von den ganzen Touristen mal gar nicht zu reden. Jeden Tag, immer voll. Und man kann nicht mal eben weg ...

Das muss man sich doch nicht antun, oder? Auch als Erfahrung nicht. Und dass man da eine schöne Zeit hat, ist auch eher unwahrscheinlich. Mir würden da eine Menge anderer Gegenden einfallen, die ich gerne mal erfahren würde und eine schöne Zeit dort haben.



Re: St.Maarten/St.Martin

Du hast es ja schon erwähnt, jeder Mensch ist anders.

ICH würde es mir "antun" und ausser Geld kann man nicht viel verlieren. Dazu sind doch Ersparnisse da. Aber jeder hat so seine eigenen Vorstellungen. Und der Deutsche hat ein sehr großes Sicherheitsdenken. Das ist hier in UK ganz anders, das merkt man schon bei der Arbeitsplatzsuche. Ich bin in dieser Hinsicht auch nicht sehr deutsch (Gott sei Dank )